Otto Preminger: Fluß ohne Wiederkehr

3. Februar 2006, 16:03
posten

Österreichischer Regisseur insziniert Film mit internationalen Stars wie Marilyn Monroe und Robert Mitchum - eine Geschichte mit faszinierender Kameraeinstellung

Eine Geschichte aus der Goldgräberzeit im amerikanischen Norden. Es gibt vier handelnde Personen: einen Farmer, der im Gefängnis war, weil er einen Mann erschossen hat – von hinten; seinen neunjährigen Sohn, der den Vater erst richtig kennen lernen muss; eine attraktive Barsängerin, die sich um den Jungen gekümmert hat; und ihren Freund, einen Spieler, dem man nicht trauen darf. Die Story ist simpel: der Spieler klaut dem Farmer in der Wildnis Pferd und Gewehr. Farmer, Sohn und Sängerin unternehmen eine lange, beschwerliche Flussfahrt auf einem Floß. Sie werden bedroht und verfolgt von Indianern, Tieren und Banditen. Am Ende der Reise treffen sie den Spieler wieder. Im Showdown rettet der Sohn seinen Vater und erschießt den Spieler, von hinten.„River of No Return“ war der erste Western in Scope (2.35:1), gedreht 1953. Die Bilder (Kamera: Joseph LaShelle) sind atemberaubend in der Nutzung von Breite und Tiefe: die Berge, das Tal, das Floß im reißenden Strom, die Wälder am Ufer, die Indianer auf den Felsen.

Die Totalen stammen aus Kanada, die Nahaufnahmen aus dem Studio. Die Rückprojektionen wirken ziemlich primitiv. Andererseits vermindert dies nicht das Potential von Angst und Spannung bei den Zuschauern. Kino funktioniert oft jenseits aller technischen Perfektion. Wenn Kinder zu den Protagonisten eines Western gehören, stellen sie viele Fragen: wieso, weshalb, warum? Robert Mitchum als verwitweter Vater beantwortet diese Fragen mit großer Geduld. Man kann ihn sich gut allein erziehend vorstellen. Und Marilyn Monroe, die Sängerin, ist dann als potentielle Stiefmutter eine traumhafte Projektion. Ihre Songs für die Goldgräber handeln von silver dollars und changing lives. In einem Lied für den Jungen singt sie von der Old Lady Blackbird. In der Bar trägt sie roten und grünen Flitter, auf dem Floß praktische Jeans, und nachts hüllt sie sich in eine Wolldecke, in der sie sich von Mitchum massieren lassen kann.

Das Zusammenspiel der beiden Stars ist voller Vibrationen, weil Otto Preminger, der Regisseur aus Österreich (1906-1986), ihnen genügend Varianten von Streit und Zärtlichkeit entlockt. „River of No Return“ blieb Premingers einziger Western. Es wirkt wie ein charmantes Understatement, wenn er später behauptet, der Film habe ihn eigentlich nicht interessiert. Er hat alles, was ein guter Western braucht: vor allem die physische Präsenz der Protagonisten im Raum und im Rhythmus der Filmzeit. Am Ende trägt Mitchum die Monroe auf seinen Schultern aus der Bar. Sie fragt: „Where are you taking me?“ Und seine Antwort heißt: „Home.“ So entsteht Zivilisation mitten in der Wildnis. (DER STANDARD, Printausgabe)

Von Hans Helmut Prinzler
  • Artikelbild
    foto: süddeutsche cinemathek
Share if you care.