Börsengang steht auf Schiene

15. März 2006, 16:39
2 Postings

ÖIAG-Aufsichtsrat gibt für Teilverkauf der gelben Post grünes Licht - Eine Notierung bis Ende März halten Banker für wenig realistisch

Wien – Seit Montag sind die Weichen für den Verkauf von 49 Prozent der Österreichischen Post AG gestellt. Dem Börsengang des zu hundert Prozent in Staatseigentum stehenden Unternehmens steht – abgesehen vom erbitterten Widerstand der Gewerkschaft – nichts entgegen.

Montag früh hat Eigentümervertreter Finanzminister Karl-Heinz Grasser der Staatsholding ÖIAG den neuen Privatisierungsauftrag zugestellt. Wann der Teilverkauf über die Bühne gehen wird – darüber herrscht derzeit großes Rätselraten. Einziger Fixpunkt: Die Sache muss bis Sommer erledigt sein, denn im Herbst finden Nationalratswahlen statt.

Grasser für Notierung Ende März

Grasser hatte sich zuletzt für eine Notierung Ende März stark gemacht; die ÖIAG strebt "das erste Halbjahr 2006" an. Die rapide März-Variante wird von Bankern als "höchst ambitioniert, aber nicht völlig unrealistisch" gesehen. Voraussetzung für den Börsengang ist nämlich die Bilanz 2005 – und die wird dem ÖIAG-Aufsichtsrat erst am 3. März vorgelegt. Und: Die Investmentbank Goldman Sachs, die den Börsengang federführend begleitet, dürfte allein zur Erstellung des Börsenprospekts an die acht Wochen brauchen. Das sagten jedenfalls ÖIAG-Aufsichtsräte am Montag. Zudem müssen sich die Post-Manager auf Road-Shows begeben, auch das nimmt in aller Regel zwei, drei Wochen in Anspruch. Grasser ruderte am Montag zurück: "Post und Banken werden den richtigen Zeitpunkt finden, und der wird in jedem Fall vor dem Sommer sein."

Proteste

Während in der ÖIAG-Zentrale die Sitzungen abgespult wurden, protestierten vor dem Haus rund 250 Postler und Gewerkschafter. Postgewerkschaftschef Gerhard Fritz hält den Verkauf für "wirtschaftlichen Unfug". Sein Vize, Martin Palensky, begründet das so: "Die Post hat noch keine Strategie für die Zukunft, sondern nur eine Ideensammlung. So lange nicht mehr auf dem Tisch liegt, werden wir den Verkauf bekämpfen." Die Post-Expansion läuft jedenfalls unrund; die Tochter in Slowenien, Yellogistics, wird wegen anhaltender Verluste gerade wieder zugedreht.

Rückendeckung für die Gewerkschafter kam vom Präsidenten: Fritz Verzetnitsch war den Postlern "trotz extremer Witterung wegen Nebelreißens und fünf Grad Kälte" (ein Gewerkschafter) beigesprungen: "Wir stehen zur österreichischen Post und wollen, dass sie nicht verkauft wird."

Auftrag angenommen

Was auf der Straße gewollt wurde, ließ die Aufsichtsräte im ÖIAG-Sitzungssaal kalt, sie nahmen den Verkaufsauftrag (mit fünf Gegenstimmen der Gewerkschafter) an. Den Verkaufsbeschluss wird die ÖIAG kurzfristig fassen.

Fixier wurden auch die Investmentbanken für den Börsengang: ein Konsortium aus Goldman Sachs, Erste Bank, Raiffeisen Centrobank, Deutsche Bank – und Gewerkschaftsbank Bawag P.S.K. Letztere soll Privatanleger und ein etwaiges Mitarbeiterbeteiligungsprogramm betreuen. Geplant ist ja eine "Volksaktie Post": Möglichst viele Österreicher sollen Aktien kaufen. Die Mitarbeiterbeteiligung sieht Betriebsrat Palensky skeptisch: "Der Kauf von Aktien wird für Postler, die im Schnitt 1300 Euro netto im Monat verdienen, schwierig."

Dass die Gewerkschaft strikt gegen den Post-Verkauf ist, ihre Bank beim Börsengang aber eine wesentliche Rolle spielt, kommentiert ein ÖGB-Sprecher so: "Das eine ist Politik, das andere ist Geschäft." (Renate Graber, Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.1.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Vor der ÖIAG-Zentrale protestierten am Montag rund 200 Postmitarbeiter gegen den Verkauf.

Share if you care.