Menschenrechtler werfen König von Nepal "abgrundtiefes Versagen" vor

1. März 2006, 17:14
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Armee habe weite Gebiete an maoistische Rebellen verloren - Kommunalwahlen "Augenauswischerei"

Neu Delhi - Ein Jahr nach der Machtübernahme durch König Gyanendra in Nepal hat das Asiatische Zentrum für Menschenrechte (ACHR) dem Monarchen "abgrundtiefes Versagen" vorgeworfen. Dem König sei es nicht gelungen, die Herzen der Menschen zu gewinnen, teilte ACHR am Montag in der indischen Hauptstadt Neu Delhi mit. Die Armee habe weitere Gebiete an die maoistischen Rebellen verloren. Zwar habe die Zahl der Morde und Entführungen deutlich abgenommen. Trotzdem seien im vergangenen Jahr 1608 Menschen getötet worden.

Gesetzloser Staat

Die von Gyanendra für den 8. Februar verfügten Kommunalwahlen seien "Augenwischerei" und verliehen der Herrschaft des Königs keine Legitimität, meinte das ACHR weiter. Die Menschenrechtler riefen die internationale Gemeinschaft dazu auf, Sanktionen gegen die Regierung in Kathmandu und gegen die königliche Familie zu verhängen. Nepal sei zu einem gesetzlosen Staat geworden, der weitgehend durch Dekrete des Königs regiert werde. Im vergangenen Jahr seien 430 Journalisten festgenommen, angegriffen oder bedroht worden.

Gyanendra hatte am 1. Februar vergangenen Jahres die Regierung entlassen und sich selber zum Machthaber ernannt. Sechs Parteien und die maoistischen Rebellen haben inzwischen in einem gemeinsamen Schriftstück das Ende seiner Herrschaft und einen Boykott der Kommunalwahlen gefordert. Die Maoisten kämpfen seit zehn Jahren für ein Ende der Monarchie und ein kommunistisches Regime in Nepal. Der Konflikt kostete bisher mehr als 13.000 Menschen das Leben. (APA/dpa)

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    Studenten protestieren in Kathmandu gegen die Regierung von König Gyanendra und verlangen - gemeinsam mit den maoistischen Rebellen und sechs Parteien - den Boykott der kommenden Kommunalwahlen.

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    König Bir Bikram Shah Gyanendra von Nepal hatte am 1. Februar vergangenen Jahres die Regierung entlassen und sich selber zum Machthaber ernannt.

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