Fremde Feder: Was haben die USA was EU-Europa nicht hat?

15. Juni 2006, 19:24
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Ein Kommentar von Caspar Einem zu einem Gespräch am Rande der großen Europa- Veranstaltung der Bundesregierung in Salzburg

Gespräch am Rande der großen Europaveranstaltung der Bundesregierung in Salzburg über die europäische und die US-amerikanische Filmindustrie. Mein Gesprächspartner - ein Kunst- und Kulturpolitiker - war der Meinung, dass es vor allem die Tatsache sei, dass in den USA Marktwirtschaft auch in diesem Feld herrsche, die sie weltweit überlegen mache, während in Europa unzählige Interessengruppen an der Frage mitentscheiden würden, welche Film-Produktion gemacht und welche unterlassen werde. So kämen zwar durchaus mitunter beachtliche Filmkunstwerke zustande aber so gut wie nie echte Kassenschlager mit weltweiter Aufmerksamkeit, weil eben dazu der Hunger entsprechender Regisseure und Geldgeber nötig sei. Nun – über diese These ließe sich diskutieren.

Einig waren wir uns allerdings, dass Hollywood aber nicht bloß ein außerordentlich erfolgreiches Beispiel der Filmindustrie ist, sondern zugleich wohl die wirksamste Industrie zur Verbreitung amerikanischer Lebensart, Wertungen, Politik. Mehr noch: es zeige sich, dass Hollywood-Filme in einem erstaunlichen Ausmaß die jeweilige Regierungslinie der Vereinigten Staaten transportierten, obwohl die Regierung darauf kaum Einfluss nehme.

Bleibt – am Rande einer Konferenz zum Thema Europäische Union, europäische Identität usw. – bloß die Frage: Nehmen wir einmal an, These eins wäre stimmig und man folgte ihr – wäre dann eine vergleichbare Ideologieproduktion vergleichbar erfolgreich, nur von Europa und seinen Werten ausgehend, möglich bzw. wahrscheinlich? Hier soll nicht die Frage interessieren, ob das allenfalls entstehende europäische Gegenmodell zu Hollywood von den Amerikanern aufgekauft würde, bevor es wirksam wird. Hier soll die Frage interessieren, ob ohne dass es angeschafft wird eine ähnlich starke europäisch Überzeugung entstehen könnte, Filme, die eine europäische ‚Sendung’ transportieren, europäische Werte und Lebensweisen, sodass diese Filme mit in Wettbewerb um ein Weltbild treten könnten, Wettbewerb um Köpfe und Herzen mit jenen Produktionen aus Hollywood.

Und falls die Antwort auf diese hypothetische Frage negativ wäre, sollten wir der Frage nachgehen, was die EU daran hindert und warum die USA dazu in der Lage sind. Vielleicht wäre (auch) das ein Weg zur Erkenntnis, was EU-Europa fehlt. Natürlich nur, wenn man den Ehrgeiz hätte, nicht alle Wohnzimmer der Welt via TV mit US-amerikanischer Lebensart zuschütten zu lassen.

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