Blablabla

3. Februar 2006, 17:39
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Hat sich die Qualität des Redens im Laufe der Jahre verschlechtert?

Hat sich die Qualität des Redens im Laufe der Jahre verschlechtert? Schwer zu sagen: Je älter man wird, desto weniger hört man zu, desto mehr Gewicht misst man seinen eigenen Worten bei. Man spricht lauter und langsamer und wiederholt sich öfter, damit keiner auf die Idee kommen könnte, man habe nichts zu sagen.

Nun, es gibt da ein plausibles Indiz, ein indirektes Eingeständnis dafür, dass der verzichtbare Gesprächsstoff gegenüber dem notwendigen im steten Wachstum begriffen ist: Man sagt nicht mehr (nur) "Blabla", man sprudelt "Blablabla".

Früher hieß es: "Das ist doch lauter Blablaaaa." (Man betonte die zweite Silbe und verharrte lange auf dem abschließenden A. Nun aber ist die dreisilbige Blablabla-Seuche ausgebrochen.

Ihr Erreger sitzt im Smalltalk, welcher durch rasant eingeschobene Blablabla-Stöße öffentlich ausgewiesen wird, um den Salm zu sanktionieren. Zitat aus 1000 und einem Open-Air-Teenie-Handygespräch: "Ich, weißt eh, geh' rein, lehn mich hin, rauch eine, blablabla, da steht der Typ, kennst ihn eh, urfesch, coole Frisur, blablabla, er schaut her, ich sag: ,Was is?'. Er, weißt eh, fragt, mit wem ich da bin, ob ich allein bin, ob ich mit ihm tanzen will, blablabla (...)"
(DER STANDARD, Printausgabe vom 30.1.2006)

Von
Daniel Glattauer
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