Wunschvolles Glück und Unglück

6. Juni 2006, 18:32
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Salzburger Konzerte zu Mozarts Geburtstag

Salzburg - Nicht weniges an Namen und beglaubigter (und behaupteter) Kompetenz war in Salzburg zugegen. Das ist ein Feiern auf Straßen und Wegen - und in den Konzertsälen versammeln sich führende Interpreten im Sinne von Ehrerbietigkeit, aber auch in mutiger Mozart-Ferne, sofern man interpretatorische Problematik überhaupt in einem solch weltbewegenden Geburtstagszusammenhang beim Namen zu nennen wagt.

In der Wiedergabe mit den Wiener Philharmonikern durfte, ja musste man in allen Schwebungen, Unregelmäßigkeiten der Tongebung, in allen Weichheiten und Unbotmäßigkeiten der Klanggebung Nikolaus Harnoncourts Erlebniswelt gespiegelt finden. Dieser Dirigent hat sich um Mozart bemüht, er hat ihn als einen Menschen von nebenan und zugleich als einen ästhetischen Terroristen erkannt.

Der Rest bleibt Rätsel - das weiß auch Harnoncourt. Mit dem Gründer des Concentus Musicus Wien und zugleich dem welterfahrenen Dirigenten wichtigster Orchester hatte die Internationale Stiftung Mozarteum nicht nur einen Festredner, sondern einen durchaus auch Unbequemes ansprechenden Gratulanten. Salzburg hatte also an diesem Jubeltag den Vorzug abwägender Intelligenz.

Am Abend dann ein Festkonzert mit den Wiener Philharmonikern unter der strammen, gestisch friedfertig militaristischen Leitung von Riccardo Muti. Für die Sopranistin René Fleming war die italienische Gesangsvirtuosin Cecilia Bartoli eingesprungen - ein Glücksfall für den Veranstalter, ein Unglück für den Komponisten!

Mozarts Motette "Exsultate, jubilate" (KV 165) meckert sie in den Koloraturen wie eine Vivaldi-Etüde herunter, mit outrierender Mimik, mit unsäglichen Vokalverfärbungen (a zu ä!), ohne jede klangliche Liebenswürdigkeit, als handelte es sich um eine sakrale Turnübung.

Auch die Konzertarie KV 505 und im Folgenden das berühmte, Händchen haltende Don Giovanni-Duett mit Thomas Hampson ließ Wärme, wenn man will: Menschlichkeit der Tongebung vermissen. Diese Cecilia Bartoli singt, agiert dieser Tage fast wie eine Offenbach-Olympia auf Mezzo-Ebene - eine Lang Lang der Stimmbänder, um es noch ein wenig unhöflicher auszudrücken.

Die Technik

Thomas Hampson hatte gute Momente als Graf seiner reichen Figaro-Erfahrungen, Mitsuko Uchida ereiferte sich in den bedächtigeren Passagen des C-Dur-Klavierkonzerts (KV 503) mit delikaten, ausgesucht expressiven Tönen, während sie in den rascheren Passagen zur Überflugtechnik tendierte.

Im Verlauf der Sinfonia concertante (KV 364) schienen Geiger Gidon Kremer und Bratschist Yuri Bashmet musikantische Freundschaft zu signalisieren - zwei Profis, aber sprechen sie eine Sprache? (Peter Cossé/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 1. 2006)

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