Mutig mit Muti

6. Juni 2006, 18:32
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Die Zukunft der Salzburger Festspiele: Das neue "Haus für Mozart" bleibt beinahe im Kostenrahmen, "Mozart22" verkauft sich äußerst gut. Und ab 2007 sorgt Riccardo Muti für einen neuen "Spirit" zu Pfingsten

Salzburg - Der Mozart-Overkill folgt erst: im Sommer in Salzburg mit Mozart22, also allen szenischen Werken des Jubilars. Dass bis dahin das Interesse ermattet sein könnte, glaubt Helga Rabl-Stadler, die Präsidentin der Festspiele, nicht: Nur Così fan tutte, zum dritten Mal am Spielplan, und die Trilogie Irrfahrten mit der Choreografie von Joachim Schlömer würden sich noch etwas schleppend verkaufen. Die ursprünglich nicht geplante Neuinszenierung der Zauberflöte belaste zwar das Budget, aber Donald Kahn habe 500.000 Euro gespendet, und so könne sie entspannt dem Juli entgegenblicken.

Auch das Geld für den Umbau des Kleinen Festspielhauses in das Haus für Mozart hat sie im Prinzip zusammen, sagt Rabl-Stadler: Von den 8,6 Millionen Euro, die vom Festival aufzubringen sind, fehle ihr nur noch deren eine. Und um die berechtigten Sonderwünsche der Technik erfüllen zu können, muss sie noch maximal zwei weitere Millionen zusammenschnorren. Ein Wassereinbruch und der kalte Winter hätten zwar zu Mehrkosten geführt, es sei aber nur eine geringe Überschreitung der genehmigten Kosten (29,07 Millionen) zu erwarten.

Laut Plan soll die Übergabe im Mai erfolgen; man habe also einen Polster, falls es zu weiteren Verzögerungen kommen sollte. Offiziell eingeweiht wird das Haus am 22. Juli mit dem Festakt zur Eröffnung. Am Tag zuvor werde ein hochkarätiges Symposion zum Thema Festspiele abgeführt: "Wir wollen, auch wenn es keinen Festredner mehr gibt, mit der intellektuellen Elite eröffnen - und nicht mit einem Society-Event."

Im Herbst dann erfolgt die Übergabe an das neue Team. Jürgen Flimm, der künftige Intendant, und Konzertchef Markus Hinterhäuser nutzten den Aufenthalt von Riccardo Muti, um ihr Konzept für das bisherige "Problemkind", die zuletzt eher schlecht besuchten Pfingstfestspiele, zu präsentieren, die der Bariton Thomas Hampson zu konzipieren abgelehnt hatte. Denn der Maestro aus Neapel brachte sie auf die Idee, und Muti wird - zunächst für drei Jahre - alle Konzerte dirigieren.

Ausschließlich Werke von Komponisten der barocken neapolitanischen Schule - ein Großteil wurde noch nie oder nur wenige Male in ihrer Entstehungszeit aufgeführt - werden auf dem Programm stehen. Muti hat diese "Schätze" u. a. von Alessandro Scarlatti, Leonardo Leo, Donato Ricchezza und Nicolo Jomelli im Kloster Girolamini bei Neapel entdeckt, wo die Mönche sie "eifersüchtig" hüteten. Neben Konzerten wird es nach Jahren auch wieder eine szenische Aufführung - für 2007 ist die Oper Il ritorno di Calandrino von Domenico Cimarosa geplant - geben. Und abrunden möchte Hinterhäuser das Programm mit einem bunten neapolitanischen Fest auf Plätzen, in Innenhöfen und Gassen: Pfingsten soll einen neuen "Spirit" bekommen.

Eine Querfinanzierung des gewagten Unternehmens durch die Sommerfestspiele ist aber untersagt. Daher will Rabl-Stadler keinen sechsten Hauptsponsor, sondern einen Projektsponsor für Pfingsten auftreiben. Sollte dennoch das Budget platzen, will ein enthusiasmierter Flimm - höre! - seinen Audi verkaufen . . . (Thomas Trenkler/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 1. 2006)

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