Wo ging Wolferl in die Schule?

3. Februar 2006, 17:48
posten

Ihre Fragen zu W.A.M. - Kurt Palm antwortet

Heidelinde Wagner möchte wissen, welche Schulen Mozart in Salzburg besucht hat.

* * *



Auf den ersten Blick mag es überraschen, dass Mozart zeit seines Lebens nie eine Schule besucht hat. Bei näherer Betrachtung seiner Lebensumstände ist das jedoch gar nicht so außergewöhnlich, wie es scheint. Zunächst einmal sollte man nicht vergessen, dass im Fürsterzbistum Salzburg zur Mozartzeit keine Schulpflicht bestand. Auch als in Österreich 1774 die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde, galt diese nicht im Fürsterzbistum Salzburg, das ja erst 1816 endgültig zu Österreich kam. Wie rückständig Salzburg in dieser Hinsicht war, belegen einschlägige Quellen aus dem Jahr 1785, nach denen außerhalb der Stadt Salzburg von 6912 schulfähigen Kindern nur 818 - das sind 11,8 Prozent - eine Schule besuchten. Im Falle der Familie Mozart übernahm Vater Leopold bei seinen beiden Kindern Nannerl und Wolfgang die Lehrerfunktion. Als Musiklehrer hatte Leopold ja bereits einschlägige Erfahrungen gesammelt und diese 1756 in seiner berühmt gewordenen Violinschule zusammengefasst.

Wolfgang wurde von seinem Vater aber nicht nur in Musik, sondern auch in Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet. Ein Freund Mozarts aus Kindertagen, der Hoftrompeter Johann Andreas Schachtner, berichtet, dass der kleine Wolfgang sehr wissbegierig gewesen sei und er "allem, was man ihm immer zu lernen gab, so ganz anhieng, daß er alles Übrige, auch so gar die Musik, auf die Seite setzte, zum Beispiel als er Rechnen lernte, war Tisch, Sessel, Wände, ja sogar der Fußboden voll Ziffer mit der Kreide überschrieben." An Mozarts "Liebe zur Rechenkunst und zur Algeber" erinnerte auch seine Witwe Constanze im August 1799 in einem Brief an den Verlag Breitkopf & Härtel. Bedenken sollte man noch, dass Mozart zwischen seinem sechsten und fünfzehnten Lebensjahr, also jener Zeitspanne, in der heute Schulpflicht besteht, insgesamt sechseinhalb Jahre auf Reisen war. Neben der Funktion eines Lehrers übte Leopold Mozart in dieser Phase auch noch die Funktionen eines Arztes, Managers, Reiseführers und - soweit das überhaupt möglich war - "väterlichen Freundes" aus. Dass eine solche Anhäufung von Aufgabenbereichen irgendwann einmal zur restlosen Überforderung von Mozarts Vater führen musste, war wohl unausweichlich. (ALBUM/DER STANDARD, Printausgabe, 28./29.1.2006)

  • Artikelbild
    montage: der standard
Share if you care.