Studie widerlegt Vorurteil gegen Kindergärten als Kostenfaktor

14. Februar 2006, 19:37
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Laut WU Wien rechnen sich Kindergärten mit einer Wertschöpfung von rund 330 Millionen Euro nicht nur pädagogisch, sondern durchaus auch ökonomisch

Wien - "Ein in einen Kindergarten investierter Euro bringt einen volkswirtschaftlichen Ertrag von 3,8 Euro." Diese von der Universität Bielefeld aufgestellte Rechnung kann nun auch die Leiterin des Institutes für Sozialpolitik an der Wirtschaftsuniversität Wien, Ulrike Schneider, im STANDARD-Gespräch bestätigen. Diese Rechnung gelte vor allem für Ostösterreich, wo die Dichte der Kindergärten (in Wien: 1672 Einrichtungen) im Vergleich zu Westösterreich relativ hoch sei.

Auf das gesamte Bundesgebiet umgelegt generieren die Kindertagesstätten insgesamt volkswirtschaftliche Wertschöpfungseffekte in Höhe von rund 330 Mio. Euro, rechnet die WU-Professorin weiter vor. Sie hat im Auftrag von "Kinder in Wien", dem größten Wiener Privatanbieter von Kinderbetreuung, erstmals die volkswirtschaflichen Effekte der Tagesheime für die Kleinsten durchleuchtet. Die Input-Output-Analyse hole die Kindergärten dabei dezidiert aus dem "Kostenverursacher-Eck", können sich die beiden "Kinder in Wien"-Chefinnen Monika Riha und Ingrid Fröhlich freuen. Allein in der Bundeshauptstadt beläuft sich die Wertschöpfung durch die Aktivitäten und den Konsum der Tagesheime auf 166 Mio. Euro. Durch sie werden österreichweit außerdem direkt oder indirekt 11.300 Vollzeit-Arbeitsplätze gesichert.

Zudem bringen allein die Wiener Tagesheime einen zusätzlichen Konsum durch Beschäftigte in anderen volkswirtschaftlichen Sparten in Höhe von 44 Mio. Euro hervor.

Vorteil für die Volkswirtschaft

Gestützt wird dieses positive Bild zusätzlich durch eine, dem STANDARD vorliegende, Untersuchung des Synthesis-Forschungsinstitutes. Diese ergibt, dass durch eine ausreichende Versorgung Österreichs mit Tageseinrichtungen für die Kleinsten etwa 25.000 Frauen einen Arbeitsplatz annehmen könnten und die Volkswirtschaft dadurch zusätzlich einen Vorteil von bis zu 130 Mio. Euro (durch zusätzliche Abgaben und Steuern sowie geringere Ausgaben für Arbeitslosengelder und Notstandshilfe) hätte.

Trotzdem ist die so genannte "Kindergartenmilliarde", die zuletzt vor fünf Jahren ausbezahlt wurde, von der Regierung seitdem nicht wiederbelebt worden, kritisieren Experten. Und auch die EU-Kommission hat Österreich erst kürzlich "Handlungsbedarf" beim Thema Kinderbetreuung attestiert. (Monika Bachhofer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./19.1.2006)

  • Der konsequente Ausbau von Kinderbetreuungs-Einrichtungen rechnet sich nicht nur für die Kids und deren Eltern, sondern auch für die gesamte Volkswirtschaft.
    foto: standard/urban

    Der konsequente Ausbau von Kinderbetreuungs-Einrichtungen rechnet sich nicht nur für die Kids und deren Eltern, sondern auch für die gesamte Volkswirtschaft.

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