Schneefallgrenze um 150 Meter gestiegen

9. Oktober 2006, 18:09
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Wiener Meteorologen erstellten einen neuen "Klimaatlas"

Die enorme Kälte der vergangenen Woche hat mit dem Winter zu tun, ist in der langjährigen Vergleichsstatistik nur normal und noch lange kein "Extremwetterereignis" - ein Geschehen, das im Zusammenhang mit dem Klimawandel steht. Zum Nachweis der globalen Erwärmung gibt es jedoch etliche interessante Daten aus Österreich. Diese wurden am Institut für Meteorologie und Geophysik der Uni Wien zu einem "Klimaatlas" zusammengetragen.

Eines der überraschendsten Ergebnisse: Im Zuge der globalen Erwärmung ist die Schneefallgrenze im Alpenraum in den vergangenen 22 Jahren um 150 Meter gestiegen. "Das ist gewaltig für diesen im meteorologischen Sinn recht kurzen Zeitraum", erklärt Institutsvorstand Reinhold Steinacker. Die globale Erwärmung ist im alpinen Raum deutlich stärker ausgefallen als im weltweiten Durchschnitt. So ist etwa der Prozentsatz von Regen am generellen Niederschlag auf dem Hohen Sonnblick in Salzburg - dort steht auf 3105 Meter Seehöhe das höchste Wetterobservatorium in Österreich - in den vergangenen zwei Jahrzehnten von über 90 Prozent auf rund 80 Prozent gesunken, erklärt Steinacker.

Entstanden ist der "Klimaatlas" im Rahmen des Projekts "Vienna Enhanced Resolution Analysis Climatology" (Veraclim). Ziel dieses vom Wissenschaftsfonds geförderten Projekts war es, erstmals grenzüberschreitend für den gesamten Alpenraum die wichtigsten Parameter der Atmosphäre zu erfassen und zu verarbeiten. Während der Arbeit sind den Forschern auch neue Einblicke in das alpine Klima gelungen. Sie konnten erstmals deutlich die tageszeitlichen Schwankungen der alpinen Druckverteilung, das "Atmen" der Alpen, und damit das starke Eigenleben der alpinen Atmosphäre nachweisen. Durch das geringe Luftvolumen in den Alpentälern erwärmen sich die Luftmassen am Tag dort viel schnelle und kühlen in der Nacht rascher ab, wodurch sich ein höherer Druck in der Nacht und ein tieferer am Tag ergibt. "Die Täler saugen dadurch aus dem Umland am Tag Luft an und geben diese in der Nacht wieder ab." Ohne stärkere Strömungen blieben die alpinen Luftmassen damit unabhängig von ihrer Umgebung. "Diese deutliche Abkoppelung der Alpentäler wirkt sich auf den gesamten Witterungsverlauf und nicht zuletzt auf die Luftreinhaltung in diesen Regionen aus", sagt Steinacker. Den Atlas gibt es am Institut auf CD zum Selbstkostenpreis von zehn Euro. (che/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29. 1. 2006)

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