Zigarettenschmuggel bleibt Boombranche

3. März 2006, 17:32
4 Postings

Im Vorjahr wurden nur noch 13 Milliarden Zigaretten in Österreich geraucht - Ein Rückgang um zehn Millionen Stangen

Wien – In der Theorie hört es sich, wie so oft, bestechend einfach an: Die Zigarettenpreise steigen, der Nikotinverbrauch sinkt. Das Problem dabei – in der Praxis ignorieren die Raucher gerne die Theorie und decken sich mit Glimmstängeln vom Schwarzmarkt ein.

Nur mehr 13 Milliarden Stück auch hier versteuerte Zigaretten wurden im Vorjahr in Österreich geraucht, schätzt Bettina Pepek, Pressesprecherin von Austria Tabak. Im Jahr 2003 waren es noch 15 Milliarden Stück – ein Rückgang um insgesamt zehn Millionen Stangen. Der Rest auf den Gesamtverbrauch von jährlich rund 17 Milliarden Stück ist unversteuerte Rauchware – Schmuggelgut.

Zwei Gruppen

Wobei es zwei große Gruppen gibt: Die erste sind Markenzigaretten, die steuerfrei verkauft werden – die andere Möglichkeit sind gefälschte Zigaretten, die noch günstiger auf den Markt kommen. Ansteigen wird der Zigarettenschmuggel in Österreich durch die Einführung von gesetzlichen Mindestpreisen aber nicht, vermutet Pepek. "Die illegalen Vertriebswege sind ohnehin eingefahren, da wird sich nichts ändern."

Verlockender für die Banden sind nach wie vor Hochpreisländer wie Großbritannien und Irland. Sie versprechen Gewinnspannen bis zu 900 Prozent. Selbst wenn nur eine von zehn Ladungen durchkommt, kann sich sich das Geschäft für die Schmuggler auszahlen.

Die eine Vielzahl von Routen benutzen. Der Ameisenhandel, bei dem aus gebunkerten Beständen einige Stangen in Autotanks oder im Gepäck versteckt in den EU-Raum gelangen, ist dabei mittlerweile ziemlich unbedeutend. Der Löwenanteil kommt containerweise aus China über Russland, weiß ein anonym bleiben wollender Insider. Eine zweite Route führt von Nordeuropa über Polen, eine dritte Möglichkeit besteht darin, Zigaretten legal und steuerfrei nach Rumänien zu exportieren, von wo sie dann "schwarz" wieder zurückkommen.

Tarnladungen

Versteckt sind die Zigaretten oft in aufwändig präparierten Tarnladungen, denen die heimischen Zollfahnder mit "Scanmobilen" auf die Schliche kommen wollen. Durch den Wegfall der Grenzkontrollen und de facto Auflösung der Zollwache ist ihre Arbeit zwar schwieriger geworden, im Finanzministerium rechnet man für 2005 dennoch mit einem neuen Rekordwert bei den Beschlagnahmungen.

Auf den Schwarzmarkt haben solche Erfolge trotzdem nur eine geringe Auswirkung. Auf dem Wiener Mexikoplatz, einem traditionellen Umschlagort zwielichtiger Ware, herrschen "alte, gewachsene Strukturen. Wenn man einmal ein Nest aushebt, wächst es nach", erläutert der Insider. Selbst wenn bei Razzien ganze Häuserblocks abgeriegelt werden, nützt das wenig: Verbundene Kellerabteile mehrerer Häuser lassen genug Platz für Verstecke der Rauchware. (Daniel Kastner, Michael Möseneder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.1.2006)

Share if you care.