Erste rückt Konkurrenz auf den Pelz

30. März 2006, 13:54
posten

Die Erste Bank ist nach der Kapitalerhöhung fast 14 Milliarden Euro wert und liegt damit nur noch um eine Milliarde hinter der BA-CA

Wien - Ab heute, Freitag, werden an der Wiener Börse - vorübergehend - zwei Erste-Bank-Aktien gehandelt. Die 64,8 Millionen jungen Aktien, die das Spitzeninstitut des Sparkassensektors im Rahmen seiner Kapitalerhöhung um 45 Euro pro Stück verkauft hat, sind erst ab dem Jahr 2006 dividendenberechtigt; deshalb auch die zweifache Notierung. Die Analysten hatten zum Teil mit einem höheren Ausgabepreis gerechnet.

In Summe hat sich die Erste jedenfalls 2,9 Mrd. Euro an der Börse abgeholt; mit dem Geld wird auch der Ende des Vorjahres besiegelte Kauf der rumänischen Großsparkasse BCR finanziert, für die die Erste Bank 3,75 Mrd. Euro auf den Tisch legt. Laut Erste-Chef Andreas Treichl sei sowohl bei institutionellen als auch privaten Investoren das Interesse an den neuen Aktien groß gewesen, die freien Papiere waren jedenfalls ums 1,7fache überzeichnet.

Grundkapital erhöht

Das Grundkapital der Bank hat sich (ohne Mehrzuteilung) um fast ein Viertel auf mehr als 600 Mio. Euro erhöht; die Marktkapitalisierung ist auf 13,9 Mrd. Euro gesprungen. Damit ist die Erste ihrem Erzrivalen um 2,6 Mrd. Euro näher gerückt: Die Bank Austria Creditanstalt ist an der Börse zurzeit 14,9 Mrd. Euro wert.

Sein Ziel, die Eigentümerstruktur des Instituts im Wesentlichen gleichzuhalten, hat Treichl, für den die bisher größte Kapitalerhöhung "mehr als ein Erfolg" ist, erreicht. Hauptaktionärin der Bank bleibt die Erste Privatstiftung, die 700 Mio. Euro in die Hand nahm, um 15,6 Mio. Aktien zu erstehen. Sie war bisher mit 32,2 Prozent beteiligt und dürfte nun bei einem Anteil von 30,5 Prozent landen. Mitgezogen haben auch die Bundesländer-Sparkassen, sie sind weiterhin mit sieben Prozent von der Partie; der Austria Verein (bisher sechs Prozent) wird bei fünf Prozent halten. Der Streubesitz, zu dem die Erste-Banker allerdings auch die Sparkassen-Anteile zählen, erhöht sich auf knapp 65 Prozent.

Erste Bank als Osteuropa-Institut

Die Analysten der Raiffeisen Centrobank (RCB) haben die Erste in ihrer neuesten Analyse jedenfalls aufgewertet und ihr Kursziel von 48 auf 52 Euro geschraubt. Die Kapitalerhöhung, die laut dem zuständigen Bankenanalysten Stefan Maxian "keine großartige Überraschung für den Markt gebracht hat", ist dafür aber nicht verantwortlich. Vielmehr habe sich die Erste Bank durch den Kauf der rumänischen BCR bezüglich ihres Wachstumspotenzials gleichsam in die nächsthöhere Liga gespielt, "sie ist nun am ehesten mit reinen Ost-Banken vergleichbar", sagte Maxian zum STANDARD. In Österreich mache die Bank nur noch rund 25 Prozent ihres Geschäfts, dafür sei sie nach dem Kauf der BCR in Südosteuropa sogar stärker verankert als der Schnitt der osteuropäischen Banken. Maxian: "Und dort ist das Wachstumspotenzial am größten, das hat Fantasie." (APA/Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.1.2006)

Die Eigentümerstruktur der Sektorbank hat sich kaum verändert
Share if you care.