13. März 2006, 16:03
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STANDARD: Was werden wir künftig in Chefinnenkolumnen lesen statt der Luxusprobleme Uschi Fellners zwischen Döbling, Kitz, Ibiza, Los Angeles?

Frank: Ganz bestimmt weiterhin, dass das Leben viele wunderbare Seiten hat und Frauen diese genießen sollen und dürfen. Aber: Ich bin seit 18 Jahren Journalistin, habe viele Reportagen, Interviews, Porträts und Chronikgeschichten gemacht und kenne Journalismus auch von der weniger glamourösen Seite. Geschichten über Politik und gesellschaftliche Probleme bleiben fixer Bestandteil von "Woman".

STANDARD: Haben Sie auch Kindermädchen, Personal Coach und dergleichen?

Frank: Sie haben ja eine interessante Vorstellung von Journalistinnen.

STANDARD: Von manchen Herausgeberinnen.

Frank: Meine Kinder, 14 und 5, gehen in die Schule/den Kindergarten. Eine Studentin unterstützt mich da stundenweise. Eine ältere Freundin, meine Nachbarin, ist wie eine Oma für die Kinder. Kein Personal Coach oder Ähnliches. Ich berate mich aber gern mit Freunden und Kollegen.

STANDARD: "Woman" ist die Cashcow des Verlags mit satten Umsätzen bei niedrigen Kosten. Darf man am Heft überhaupt etwas ändern?

Frank: "Woman" ist ja mit Grund so erfolgreich und hat es geschafft, die Anwältin genauso zu begeistern wie die Lehrerin, die Verkäuferin oder die Managerin. Wir bleiben natürlich bei der bewährten Mischung von Schönem und Trendigem mit Klugem und Wichtigem und guter Unterhaltung. A la longue wünsche ich mir begleitend zum Heft Bücher, Events und Aktionen auf unserer Homepage.

STANDARD: Wird Ihr Job nicht eher ein Abwehrkampf? Das Fellnerblatt hofft auch auf frauenspezifische Werbeetats.

Frank: Viele Frauen lesen keine Tageszeitung, weil sie einfach die Zeit dafür nicht haben. Und die wird ihnen selbst der Marketingprofi Fellner nicht zur Zeitung dazuschenken können. "Woman" ist gar keine Konkurrenz für eine Tageszeitung, sondern etwas ganz anderes. Wir machen ein Hochglanzmagazin mit allem, was Frauen interessiert, das sie 14 Tage begleitet und nicht morgen unaktuell ist.

STANDARD: Ihr neuer Verlagsboss überlegt eine junge Frauenzeitschrift. Das bedeutet zusätzliche Konkurrenz aus dem eigenen Haus.

Frank: Stimmt, wir überlegen. Aber da gibt es noch vieles abzuklären. Jetzt lassen wir mal "Woman" weiter strahlen. (DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2006)

Zur Person

Frank (38) arbeitet seit 1993 bei der News-Gruppe. Sie übernahm von Uschi Fellner die Führung von "Woman", die zum Zeitungsprojekt ihres Mannes wechselte.

Die Fragen stellte Harald Fidler.

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    foto: news verlag
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