Kirchenglocken zu Mozarts Geburtsstunde

6. Juni 2006, 18:32
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Geburtsstadt feiert mit Harnoncourt, Muti und einem Openair

Salzburg - Wie viel Mozart verträgt der Mensch? Der Feldversuch zu dieser Frage läuft derzeit in der Geburtsstadt des Komponisten. Der Veranstaltungsreigen ist so dicht, dass selbst der für die Fremdenverkehrswirtschaft zuständige Landeshauptfraustellvertreter Wilfried Haslauer (VP) bereits gewarnt hat, man dürfe "nicht übertreiben". Immerhin sind beim Mozartbüro derzeit rund 800 Veranstaltungen bekannt; etwa 40 davon bis kommenden Sonntag.

Ein erster Höhepunkt ist Mozarts 250. Geburtstag. Beim offiziellen Festakt werden Freitagvormittag die Wiener Philharmoniker im Mozarteum unter Nikolaus Harnoncourt zu hören sein. Für den Abend ist dann im Großen Festspielhaus ein Festkonzert der Philharmoniker unter Riccardo Muti geplant. Zu diesem sind auch die internationalen Teilnehmer der EU-Konferenz Sound of Europe geladen. Bereits am Donnerstag wurde die Ausstellung Viva! Mozart eröffnet. Damit ist auch die Neue Residenz am Mozartplatz als neuer Standort für das Salzburger Museum Carolino Augusteum nach dem Umbau ihrer Bestimmung übergeben worden.

Die Salzburger selbst können ihren Mozart bei einem Openair-Fest am Kapitelplatz feiern. Mit dabei sind Künstler wie Rico Gulda, Saxodrome, Henry Chou, Uli Sych oder Timna Brauer. Punkt 20 Uhr - Mozarts Geburtsstunde - werden dann die Glocken der Kirchen der Landeshauptstadt für Mozart läuten. Der Mozart-Reigen setzt sich in den Landgemeinden fort: Ein besonderes Projekt - die Reihe Mozart kommt ins Haus vom Pongauer Kulturverein Schloss Goldegg. Dabei werden Schülerinnen des Musikums in 14 Seniorenheimen einen musikalischen Geburtstagsgruß übermitteln.

Kritische Stimmen zum Jubeljahr haben in Salzburg Seltenheitswert. Eine kommt von Thomas Randisek. Der Geschäftsführer des Dachverbands Salzburger Kulturstätten sieht die "unüberschaubare Anzahl von Veranstaltungen" als Tünche, mit der die Defizite der Kulturpolitik des Landes überdeckt werden. (neu/DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2006)

Von Thomas Neuhold
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