"Unter dem Stacheldraht saß ein Vogel"

1. Februar 2006, 15:43
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Szenische Lesung zur Flamenco-Gitarre: Gedichte und Widerstandslieder von Frauen aus dem KZ Ravensbrück

Im Frühjahr 2005 wurde die Publikation "Europa im Kampf 1939 - 1944. Internationale Poesie aus dem Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück" von Constanze Jaiser veröffentlicht. Es ist eine Sammlung von Gedichten und Widerstandsliedern in elf Sprachen, die im KZ heimlich gesammelt und erst Jahrzehnte später in einer Prager Wohnung wieder entdeckt wurden.

Die Autorin, die Historikerin Constanze Jaiser und der Musiker David Pampuch haben daraus nicht nur eine lesenswerte Lektüre und eine HörCD, sondern auch eine originäre Szenische Lesung gemacht, die im Jänner letzten Jahres vor nur einem kleinem Publikum in Wien (Kooperation Kosmostheater/Frauenhetz) seine österreichische Erstaufführung hatte.

Roland Engel und Birge Krondorfer versuchen nun in Eigeninitiative, diese politisch und erinnerungskulturell unglaublich beeindruckende Darstellung einem größeren Publikum zugänglich zu machen.

Termin

Eine Szenische Lesung zur Flamenco-Gitarre von Constanze Jaiser und Jacob David Pampuch (Berlin).
Freitag, 3.02. um 18.00 Uhr in der Volkshochschule Ottakring, Ludo-Hartmann-Platz 7A, 1160 Wien
Erbetener Spendenbeitrag: 8 Euro/ermäßigt 5 Euro (red)

Link

Mehr Infos zum Inhalt der Gedichte, der Musik und den KünstlerInnen sind unter Ravensbrück-Gedichte zu finden.
  • Frühling
Meine müden Hände zittern vor Kälte.
Ich schlittere über die zugefrorene Pfütze,
hinter den Baracken, wohin die bösen Augen
nicht sahen.
Die Sonne kam heraus
Ich wandte ihr das Gesicht zu,
auf der grauen Mauer unter dem Stacheldraht
saß ein Vogel
er sang...
Ich holte tief Atem,
fühlte im Mund den Frühling
wir schauten in die Sonne
wir sangen beide.
Vera Hozáková (1942)
    bild: einladung
    Frühling
    Meine müden Hände zittern vor Kälte.
    Ich schlittere über die zugefrorene Pfütze,
    hinter den Baracken, wohin die bösen Augen
    nicht sahen.
    Die Sonne kam heraus
    Ich wandte ihr das Gesicht zu,
    auf der grauen Mauer unter dem Stacheldraht
    saß ein Vogel
    er sang...
    Ich holte tief Atem,
    fühlte im Mund den Frühling
    wir schauten in die Sonne
    wir sangen beide.

    Vera Hozáková (1942)
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