ÖBB sperren Toiletten in Bahnhöfen zu

28. Juni 2006, 16:26
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Wartung der WC-Anlagen soll in wenig ausgelasteten Bahnhöfen zu teuer sein - Gemeinden dürfen selbst putzen

Graz – Die ÖBB mögen nicht mehr wischen: Mit 1. Februar will die Bahn die Toiletten auf fünf obersteirischen Bahnhöfen zusperren, die sie als "wenig ausgelastet" einstuft. So wollen sich die ÖBB die Reinigung sparen; zugleich machen sie den betroffenen Gemeinden das "Angebot", die Toiletten selbst zu putzen.

Deren Bürgermeister werfen der Bahn Willkür vor. Es müsse "auch im Interesse der ÖBB" sein, dass die Fahrgäste ihre Notdurft verrichten können, sagte Peter Hölzl, SPÖ-Bürgermeister von Mautern, einer der betroffenen Gemeinde Mautern, dem STANDARD. Hölzl ist selbst ÖBB-Bediensteter.

Die Kunden, sagt ÖBB-Sprecherin Manuela Sorian, könnten ja die Toiletten in den Zügen nutzen. Das reicht nicht, hält Hölzl dagegen: "Ich möchte einmal sehen, was ein ÖBB-Verantwortlicher mit einem dringenden Bedürfnis auf einem Bahnhof ohne Toilette täte." Die Gemeinden wollen jedenfalls keine eigenen Toiletten aufstellen. Dennoch will die Bahn bereits "positive Signale" empfangen haben.

Die ÖBB-Sprecherin verweist auf Fahrgastzählungen, wonach nur "20 bis 50 Personen" pro Tag die betroffenen Bahnhöfe benützten, und davon gingen noch weniger auf die dortigen Toiletten. Trotzdem werden diese montags bis freitags täglich gereinigt – von Angestellten der ÖBB und nicht etwa von einer externen Firma. Wenn sie nach den Spareffekten gefragt wird, windet sich die Sprecherin: "Das kann man so global nicht sagen."

Rechtliche Probleme sehen die ÖBB nicht, sollte die Reinigung zu einer Aufgabe der öffentlichen Hand werden. Die Bahnhofstoiletten stehen auf ÖBB-Privatgelände. (kas, DER STANDARD – Printausgabe, 27. Jänner 2006)

  • In kleinen Bahnhöfen werden ÖBB-Kunden bald vor geschlossenen WC-Türen stehen
    monatage/fotos:red

    In kleinen Bahnhöfen werden ÖBB-Kunden bald vor geschlossenen WC-Türen stehen

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