Seifenfabrik für Liebhaber

1. Februar 2006, 22:53
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Teppiche, Schmuck, Alte Meister und Klassische Moderne bei der Palm-Beach-Messe

Palm Beach - Wenn sich vom 3. bis 12. Februar mehr als 100 Aussteller aus Europa und den Vereinigten Staaten im Palm Beach County & Convention Center zur "Palm Beach!"-Messe einfinden, dann ist den Besuchern jedenfalls die eine oder andere Lektion in Sachen europäische Kulturgeschichte garantiert. Dieserart verdient etwa die vom deutschen Erstaussteller Franz Bausback (Mannheim) präsentierte Savonnerie einen genaueren Blick.

Hinter dem exotischen Begriff steht ein in Wien Ende des 19. Jahrhunderts gefertigtes und 542 mal 304 cm großes Webwerk. Die Bezeichnung Savonnerie-Teppich hat seine Wurzeln im Frankreich des 17. Jahrhunderts. 1606 gründete Pierre Dupont eine Teppichknüpferei nach türkischem Vorbild. Lourdet, ein Schüler Duponts, verlegte die Erzeugung 1627 in das Gebäude einer Seifenfabrik (Savonnerie). Die hier hergestellten textilen Kunstwerke waren ursprünglich ausschließlich bekrönten Häuptern vorbehalten - erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts war es auch Privatpersonen gestattet, solche Teppiche zu erwerben.

Zu den Besonderheiten der aktuell von Bausback angebotenen Savonnerie gehören der makellose Erhaltungszustand und vor allem die Marktfrische. Der mit 77.000 US-Dollar veranschlagte Schatz stammt aus dem Besitz der Auto-Dynastie Ford und schlummerte seit den 70er-Jahren in einem Lager.

Kunst der Antike

Weitere Premierengäste unter den 45 aus Europa teilnehmenden Ausstellern sind die Galerie Numisart (München) und Phoenix Asian Art aus der Schweiz. Letzterer bildet gemeinsam mit Kollegen aus London (Cohen & Cohen Oriental Art), New York (Imperial Oriental Art, Michael Goedhuis) und New Mexico (William Siegal) die Sektion Außereuropäischer Kunst. Einen weiteren besonderen Akzent setzt das vergangenes Jahr von 6000 Besuchern frequentierte und heuer zum 10. Mal stattfindende Messe-Event mit Kunst der Antike. Die internationalen Spezialisten wie Royal Athena Galleries und Ariadne (beide New York) zeigen bedeutende Objekte, und Axel Vervoordt (Kastell van's Gravenwezel) demonstriert mit seiner legendären Standgestaltung, wie Antiken in ein innenarchitektonisches Konzept integrierbar sind. Und während auf der Impulsmeile Schmuck und Juwelen sowie Antiquitäten und Skulpturen schnell zu verführen wissen, spannt die Sektion bildender Kunst unter Floridas artifizieller Sonne den zeitlichen Bogen von Alten Meistern über den Impressionismus bis zur Klassischen Moderne.

In letzter Kategorie wird das Pariser Trio Cazeau-Béraudiere, Martin du Louvre und die Galerie du Post Impressionisme zu überzeugen wissen; in erster jedenfalls Georgees und Fran¸cois de Jonckheere (Brüssel,Paris), die eine Sonderausstellung rund um bedeutende Werke von Pieter Brueghel d. Jüngeren bieten, die jüngste kunsthistorische Erkenntnisse zum Werk des auch "Höllenbrueghel" genannten Meisters mundgerecht kommunizieren will. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2006)

Von Olga Kronsteiner
  • Ein gewebtes Stück Wiener Kulturgeschichte wird in Palm Beach für Furore sorgen: Mit 77.000 Dollar veranschlagt Bausback die mehr als fünf mal drei Meter große Savonnerie.
    foto: bausback

    Ein gewebtes Stück Wiener Kulturgeschichte wird in Palm Beach für Furore sorgen: Mit 77.000 Dollar veranschlagt Bausback die mehr als fünf mal drei Meter große Savonnerie.

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