"Brücke zwischen Medizin und Technik in Forschung und Lehre"

20. Oktober 2006, 10:21
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TU Graz richtet "Center of Biomedical Engineering" ein - Gleichnamiges Bakk- und Diplom­studium startet im Herbst

Graz - Von der Entschlüsselung des menschlichen Genoms bis hin zur Entwicklung medizinischer Geräte - die Schnittstellen zwischen Ingenieurwissenschaften, Biowissenschaften und Medizin sind vielseitig und gehen von der Bioinformatik über die Medizin- bis hin zur Krankenhaustechnik. Die Technische Universität Graz (TUG) richtet nun zum bisherigen Studium der "Biomedizinischen Technik" ein Zentrum für "Biomedical Engineering" und ein auf die biomolekularen, -chemischen und technologischen Bereiche erweitertes gleichnamiges Studium ein.

Gedanken steuern Computer: Einem Forscherteam der TUG um den Biomediziner Gert Pfurtscheller gelang es bereits, einem querschnittgelähmten Mann mittels Brain-Computer-Interface-Technologie wieder selbstständiges Essen und Trinken zu ermöglichen. "Die Kombination technischer Möglichkeiten mit medizinischem Wissen bietet zahlreiche weitere Chancen, die das Leben kranker Menschen entscheidend verbessern können", schildert der Grazer Biomediziner Norbert Leitgeb im Gespräch mit der APA.

15 Arbeitsgruppen

"Wir sind gerade dabei, die vorhandenen Kompetenzen an der Universität zu bündeln. Es handelt sich um rund 15 Arbeitsgruppen: Das reicht von der Biomechanik über die Entwicklung von Geweben für den medizinischen Einsatz und die Genomik bis hin zur medizinischen Bildanalyse und Verarbeitung", so Leitgeb. Er ist Mitglied des neuen "Center of Biomedical Engineering" und zugleich Vorsitzender der Studienkommission für das mit Wintersemester 2006 anlaufende neue Studium.

Existierte "Biomedizinische Technik" bereits bisher als eigenständiger Studienzweig innerhalb der Elektrotechnik, wird der Bereich mit Herbst in ein eigenes Studium "Biomedical Engineering" umgewandelt. Österreichweit gibt es dazu bisher lediglich einen Fachhochschulstudiengang in Wien.

Neben den Grundlagen der Biomedizinischen Technik rücken biomolekulare, biochemische und biotechnologische Fragen in den Vordergrund. Nach einem sechssemestrigen Bakkalaureat soll ein viersemestriges Magister-Studium mit vertiefender Spezialisierung möglich werden. Bei der Wahl der Referenten greift man auch auf Experten der Medizinischen Universität Graz zurück.

"Das Studium halte ich für junge Leute attraktiv und geeignet, die mit der reinen Technik nicht so viel am Hut haben und Interesse an medizinischen Fragen haben", schildert Leitgeb. Er könne sich auch vorstellen, dass das Angebot für die von den österreichischen Medizin-Unis nach den Aufnahmetests abgewiesenen Studierenden interessant ist. Der genaue Studienplan wird voraussichtlich im Juni veröffentlicht. (APA)

  • Dank des von Gert Pfurtscheller, Leiter des Instituts für Elektro- und Biomedizinische Technik, entwickeltem "Brain-Computer-Interface" (BCI) kann ein Grazer Patient mit Querschnittlähmung wieder alleine die Hand bewegen.
    foto: tu graz

    Dank des von Gert Pfurtscheller, Leiter des Instituts für Elektro- und Biomedizinische Technik, entwickeltem "Brain-Computer-Interface" (BCI) kann ein Grazer Patient mit Querschnittlähmung wieder alleine die Hand bewegen.

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