Bewertung der Post sorgt für Unruhe

15. März 2006, 16:38
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Raiffeisen: Volksaktie mit breiter Streuung und zukünftig starker Wert im ATX so RZB-Chefanalyst Brezinschek

Wien - "Die Post-Aktie wird eine Volksaktie mit einer breiten Streuung und einer attraktiven Dividenden-Rendite." So fasst Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Zentralbank (RZB) die Vorteile für den Anleger zusammen. Titel mit einer stabilen Dividenden-Rendite hätten zuletzt sehr gut performt. Außerdem gebe es das Thema "Transport und Logistik" im Wiener Leitindex ATX bisher noch nicht, daher biete der Post-Börsengang auch eine gute Möglichkeit zur Diversifizierung des Portfolios. Ein Post-IPO werde - das hätten die Privatisierungen, IPOs und Kapitalerhöhungen der vergangenen Jahre gezeigt - auch zu einer deutlichen Liquiditätsbelebung führen, so Brezinschek.

Substanzriese

Ein Bewertungsmodell des auf Übernahmen und Fusionen spezialisierten hessischen Unternehmens Klein & Coll. sorgt für neuen Zündstoff. Auf Basis der Ertragskraft, so das Ergebnis, sei die Post rund 800 Mio. Euro bis zu einer Mrd. Euro wert. Das Unternehmen verfüge jedoch über einen ausgedehnten Immobilienbesitz und sei daher ein "Substanzriese". Für die 49 Prozent, die im Frühjahr an die Börse gebracht werden, erwartet Finanzminister Karl-Heinz Grasser Erlöse in von 400 bis 500 Mio. Euro. Diese Erwartung entspreche zwar dem Bewertungsmodell, laut Klein & Coll. sind in den vergangenen 18 Monaten für börsennotierte Firmen im Bereich "Transport und Logistik" das 8,2-fache des Betriebsgewinnes (Ebit) eines Jahres bezahlt worden - im Falle der Post wären das an die 750 Mio. Euro (91 Mio. Euro Ebit). Das entsprechende "Multiple" für den Umsatz liege beim 0,6-fachen eines Jahresumsatzes (1,6 Mrd. Euro) - das wären dann etwa 960 Mio. Euro. Daher werden Stimmen laut, wonach die Post "unter Wert" verkauft werde.

Gewinne steigen

Der Preis für die Post wird ihrer Bedeutung wegen "eher am oberen Ende der Multiples liegen", glaubt Bewertungs-Experte Michael Keller von Klein & Coll. Multiples hätten den "Nachteil, dass sie historische Deals widerspiegeln". Man müsse erwarten, dass der Verkäufer "mehr erlösen möchte, weil ja vermutlich auch die Gewinne steigen", sagte Keller. (Bettina Pfluger, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.1.2006)

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