13. März 2006, 16:03
12 Postings
Der neue News-Boss Oliver Voigt über die Verteidigung des Magazinriesen und neue Zeitschriftenprojekte von Society über junge Frauen bis Männer. "Format" und "e-media" bleiben erhalten, sagte er dem STANDARD. "News" wird wieder überarbeitet.

***

STANDARD: Sie sind in ihrer vierten Woche als News-Boss. Wohin geht die Reise?

Voigt: Klare Fokussierung nach innen. Der News-Verlag stellt sich neu auf. Die Position als Magazinverlag Nummer 1 in Österreich gilt es nicht zu halten, sondern auszubauen. Dazu signalisiere ich Verlagsabteilungen wie Redaktionen: Meine Idee von Führung ist ganz lange Leine, viel Gestaltungsfreiheit.

STANDARD: Spätestens im Herbst werden Sie sich wieder nach außen fokussieren müssen, wenn die Tageszeitung der Brüder Fellner kommt.

Voigt: Wir werden nicht erst im Herbst nach außen gehen. Das Projekt muss jeder ernst nehmen, weil es von einem Vollprofi kommt. Aber auch andere stellen sich neu auf und haben viel Neues vor. Die bestehenden Magazine müssen wir perfektionieren, wir werden Zusatzprodukte wie „News Leben“ forcieren und Zusatzgeschäft wie unsere neue Hörbuchserie.

STANDARD: Die Tageszeitung wird Sie Anzeigengeschäft kosten.

Voigt: Da werden neue Ideen kommen, wie man Print und Multimedia verzahnt. Aber in dem Feld werden wir auch bis zum Herbst unsere Hausaufgaben machen. Der Hauptwettbewerb einer Zeitung, so wünsche ich’s mir, wird im Zeitungssegment stattfinden. Aber ich bin weit von Naivität entfernt und weiß, dass die Zeitung magazinaffine Elemente in sich trägt. Das wird Überzeugungsarbeit im Anzeigenmarkt bedürfen, um unsere Position klar zu machen. Wir müssen auch neue Kundensegmente erschließen.

Seite 2: Voigt über Society-Magazine, News Reloaded 2, Männermagazin

STANDARD: Sie haben bei ihrer internen Vorstellung laut über ein neues Society-Magazin nachgedacht, möglicherweise sogar zwei.

Voigt: Ich habe meine Leidenschaft für People-Magazine deklariert. In Polen habe ich "Gala" eingeführt und "Glamour" als junge Frauenzeitschrift mit People-Schwerpunkt. Ich denke, People ist ein Segment, auf das wir genau schauen werden. Und es muss nicht bei People bleiben. Es ist Raum für Wissensmagazine. Und wir haben mit „Young Style“ im jüngeren Frauensegment getestet, da sehe ich Ansatzpunkte. Wir werden uns jedes Segment genau anschauen.

STANDARD: Kommt heuer noch etwas Neues?

Voigt: Ich glaube, die Aufmerksamkeit im Herbst liegt bei einem anderen Produkt. Ich halte Frühjahr 2007 für den klügeren Termin.

STANDARD: Nimmt ein People-Magazin "News" nicht sein letztes, im Gegensatz zu "tv-media", "e-media", "Woman" & Co noch nicht ausgelagertes Kernressort?

Voigt: "News" verkauft heute mehr als 250.000 Hefte bei acht Millionen Einwohner. Das ist ein hervorragender Wert: Der „stern“ verkauft eine Million bei 80 Millionen Germanen und Germaninnen. Aber "News" muss wieder zum großen aktuellen Magazin Österreichs werden, daran arbeitet die Redaktion mit Vollgas. Der hintere Teil des "News" wird gerade erfrischt. Ich glaube nicht, dass ein People-Magazin "News" Käufer wegnimmt. "Seitenblicke" hat uns auch keine Leser gekostet.

STANDARD:Das heißt, Sie arbeiten gerade an einem Rereload des gerade erst präsentierten News Reloaded?

Voigt: Nach Reloaded 1 kann man ja noch Reloaded 2 dazupacken. Wir werden "News" in den nächsten Monaten upgraden. Das kann im Papier sein, im Umfang, in erweiterten Rubriken.

STANDARD: Bei Ihrer Vorstellung kam auch – wieder einmal in der News-Gruppe – ein Männermagazin aufs Tapet.

Voigt: Das bietet sich an.

STANDARD: Ist die Zeit nicht schon wieder vorbei?

Voigt: Wenn man Männermagazin definiert wie "FHM", "Loaded", "Maxim", dann mag der Trend schon wieder vorbei sein. Aber für eines im klassischen Sinn ist Platz: großartige Geschichten, Schreiber, eine Reportage, die man sonst nirgendwo findet, plus eine großartige Optik, plus ein Stück weit gepflegte Schwarzweißerotik und mehr Lifestyle. Aber das ist nicht unsere vorrangige Aufgabenstellung.

Seite 3: Oliver Voigt über "Format" und "e-media"

STANDARD: Zu den bestehenden Magazinen: Erlebt "Format" das kommende Jahr?

Voigt: Auf der Suche nach einem Haus in Wien habe ich gerade viele Entscheider, Manager getroffen, die mich als News-Manager zuallererst auf das tolle "Format" angesprochen haben und es gleich nach dem "Economist" nennen.

STANDARD: Wenn das so ist, unterscheidet sich das deutlich von der Sicht in der Medienbranche, nicht zuletzt wegen der komplett durchgesponserten "Jahrestrends"-Ausgaben.

Voigt: Es ist die Freiheit eines jeden, eine andere Sicht der Dinge zu haben. In meinen Augen hat es sich redaktionell hervorragend entwickelt. Ich bin überzeugt, dass das "Format" einen wunderbaren Lauf hat.

STANDARD: Geld bringt es bisher nicht.

Voigt: "Format" liegt über Plan. Ich bin mehr als optimistisch für dieses Jahr. Aus Gruppensicht haben wir einen starken wöchentlichen Wirtschaftstitel zusammen mit dem Monatstitel trend. Da sind wir sehr gut aufgestellt.

STANDARD: Und e-media?

Voigt: Ist kein leichtes Objekt. Vor Jahren hat es den Lesern erklärt, wie Internet und Multimedia funktionieren. Das lernen sie inzwischen selbst. Das Heft müssen wir neu denken, ihm eine digitale Komponente zur Seite stellen. Aber mit vielen Sonderteilen bin ich überzeugt, dass wir "e-media" on track weiterfahren. Ich sehe alle 14 Objekte der News-Gruppe gut im Laufen.

STANDARD: Laut Focus nicht ganz so gut: Der Brutto-Anzeigenumsatz Ihrer wichtigsten Titel (News, tv-media, profil, Format, trend Woman, e-media) ging nach minus 6 Prozent 2004 anno 2005 um weitere 3,6 Prozent zurück, verloren haben vor allem e-media, Format und News.

Voigt: Focus bildet die Wirklichkeit nur anteilig ab. In Wort und Wahrheit haben wir trotz recht schwieriger Marktsituation sowohl von 2003 auf 2004 als auch von 2004 auf 2005 die Umsätze stabil gehalten. Bedeutet, dass durchgehend höhere Seitenpreise erzielt wurden - und natürlich auch, dass neue Kooperationsformen - wie z. B. das von Ihnen angesprochene Sponsoring im Format - im Focus keinen Niederschlag finden. Aber selbstredend werden wir bei Anzeigen und Werbekooperationen Vollgas geben müssen, um für unsere 14 Titel eine hohe Flughöhe zu erreichen. 2006 ist sich gut angegangen, der Jänner wird mit einem ordentlichen Plus zum Vorjahr abschließen.

Seite 4: "Effizienzprogramm" und Feind Fellner im eigenen Bett

STANDARD: Sie basteln an einem „Effizienzprogramm“, was unsere Zeitung mit Sparen übersetzte.

Voigt: Habe ich mit Unfreude gelesen, weil Sparen immer negative Assoziationen weckt. Wenn man Prozesse besser macht, ist Sparen nichts Unanständiges. Wir prüfen zum Beispiel gerade, ob wir im Haus drei Produktionsabteilungen brauchen. Wir werden bestehende Verträge mit Zulieferern neu ausschreiben, bestehendes Geschäft nachverhandeln.

STANDARD: Ein bisschen sparen Sie ja auch mit den Abgängen gut bezahlter Mitarbeiter zur Fellner-Zeitung. Geht der Personalaustausch in dem Tempo weiter?

Voigt: Es gibt eine Fellner-Kerntruppe, die seit Jahren und Jahrzehnten sehr gut miteinander arbeitet. Diese Karawane zieht weiter. Das ist jetzt erst mal durch. Natürlich gab es dadurch und andere Abwerbungen eine monetäre Entlastung, aber auch einen Verlust an Knowhow. Vieles werden wir aus der eigenen Truppe nachbesetzen. Zum Beispiel den Geschäftsleiter von "tv-media" und "e-media", Thomas Obkircher, der sich in der Agenturbranche versucht.

STANDARD: Über allem steht das Ziel: mehr Rendite.

Voigt: Profitabilität und Kreativität gehören zusammen. Vor allem, wenn man leistungsgerechte Bezahlung einführt, wo jeder an dem Erfolg partizipiert. Profitabilität bedeutet Unabhängigkeit. Was man selbst stemmen kann, wofür man die Gesellschafter nicht braucht, macht dem Unternehmen und seinen Titeln große Freude.

STANDARD: A propos Gesellschafter brauchen: Wie lebt sich’s mit Feind Fellner im eigenen Bett, sprich: Gesellschafterkreis?

Voigt: Das würde ich in andere Worte packen. Wir haben eine ambivalente Gesellschafterstruktur. Selbstredend haben wir Gesellschafter, die in Sachen eigener Zeitung unterwegs sind. Aber das sind Vollprofis, die uns auch im Beirat mit ihren Anmerkungen und Hinweisen immer sportlich herausfordern werden. Wir werden den News-Verlag so führen, dass auch die damit zufrieden sind. Gesellschafterfragen lösen Gesellschafter auf Gesellschafterebene, ich habe das Glück als Geschäftsführer, das Unternehmen auf Managementebene zu führen. Wir werden da Mittel und Wege finden, dass wir gut, sportlich miteinander auskommen. (DER STANDARD; Printausgabe, 26.1.2006)

Hintergrund: Fellner: Brüderlich teilen ist sicherer

Zur Person

Oliver Voigt, 39, führt die News-Gruppe – erfolgsbeteiligt – seit Jahreswechsel. Für deren Mehrheitseigner Gruner + Jahr leitete er davor G+J Polen, wo er das Societymagazin "Gala" startete und "Glamour" als junge Frauenzeitschrift mit People-Schwerpunkt. Zudem setzte er stark auf Zusatzgeschäfte wie CDs. Derlei und Zusatzprodukte wie "News Leben" will er in Österreich forcieren. Der Kurier hält an der Verlagsgruppe News 25,3 Prozent, Helmuth Fellner 18,7, Gruner + Jahr gehören 56 Prozent.

Die Fragen stellte Harald Fidler

  • "Leidenschaft für People-Magazine": News-Chef Vogt bei der Präsentation von "Gala" Polen.
    foto: g+j

    "Leidenschaft für People-Magazine": News-Chef Vogt bei der Präsentation von "Gala" Polen.

Share if you care.