Experten erwarten weitere EZB-Zinserhöhung im März

1. März 2006, 15:10
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Dann dürfte der Leitzins bis Jahresende bei 2,75 Prozent unverändert bleiben, glauben Beobachter

London - Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Ansicht einer klaren Mehrheit der Beobachter den Leitzins im März erneut anheben.

In einer am Mittwoch veröffentlichten Reuters-Umfrage erwarteten nur drei der befragten Volkswirte schon für die nächste Sitzung kommende Woche eine Anhebung des Leitzinses um 25 Basispunkte auf dann 2,5 Prozent. 57 Analysten prognostizierten einen unveränderten Schlüsselzins von 2,25 Prozent, wobei 52 von ihnen auf eine Anhebung im März tippten. Die meisten Experten rechnen mit einer weiteren Zinserhöhung im Frühjahr. Im Schnitt erwarten sie am Jahresende einen Schlüsselzins von 2,75 Prozent.

Vor der letzten Zinssitzung im Jänner - bei der die Notenbank den Zins wie erwartet unverändert ließ - hatten noch zehn Experten auf eine Erhöhung schon im Februar gesetzt. "Wir glauben immer noch, dass die EZB genug gute Argumente für eine Anhebung im Februar finden kann. Nach dem letzten Ratstreffen deutet allerdings alles auf den März hin", sagte Martin Carlens von der Handelsbanken in Stockholm. "Wir glauben, dass sie schon deutlichere Signale an die Märkte gegeben hätten, wenn sie im Februar erhöhen wollten."

Die EZB hatte im Dezember den Leitzins erstmals seit fünf Jahren um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent erhöht. EZB-Chef Trichet hatte sich dann im Jänner nur ein wenig optimistischer für die Konjunktur in der Euro-Zone gezeigt. Damit war nach Ansicht von Beobachtern ein klarer Hinweis auf einen Zinsschritt schon im Februar ausgeblieben.

Zuletzt lieferten überraschend günstige Konjunkturdaten wie der starke Anstieg des Ifo-Index aber Munition für eine Zinserhöhung. Mit einem stärkeren Wachstum gehen in der Regel höhere Inflationsrisiken einher, denen die EZB mit Zinserhöhungen begegnen müsste. Während unter den Analysten fast Einigkeit besteht, dass die EZB den Zins 2006 noch ein weiteres Mal anheben wird, gehen die Prognosen über das Leitzinsniveau zum Jahresende auseinander.

So erwarten die Experten von Capital Economics und Merrill Lynch einen Schlüsselzins von 3,5 Prozent zum Jahresschluss. Dagegen gehen unter anderem die Ökonomen der Commerzbank davon aus, dass nach der Erhöhung im März auf 2,5 Prozent für dieses Jahr Schluss ist. Das österreichische Wifo-Institut sieht sogar konstant 2,25 Prozent bis Ende 2006.

Euro bleibt Unsicherheitsfaktor

Ein Unsicherheitsfaktor für die Prognosen bleibt der Kurs des Euro. Sollte die Währung wie zuletzt weiter aufwerten, könnte dies die EZB von Zinserhöhungen abhalten. Ein stärkerer Euro senkt die Importkosten und damit die Inflationsgefahr und gleichzeitig bremst er die Exporte und damit das Wachstum. (APA/Reuters)

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