Ein Dichand entdeckt "Tötungstrieb"

4. Juli 2006, 22:03
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Michael Dichand erhebt neue Vorwürfe gegen die WAZ: Der Medienkonzern habe ihm gedroht und kassiert

Erste Zermürbungserscheinungen im Endlosstreit zwischen "Krone" und WAZ zeigt Hans Dichands ältester Sohn Michael. Was ihn nicht abhält, neue Vorwürfe zu erheben: Der Medienkonzern habe ihm gedroht und kassiert.

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Beim Thema WAZ vergisst Michael Dichand die gute Kinderstube: "Ich habe mittlerweile einen Tötungstrieb entdeckt", zürnt der 43-Jährige dem Essener Verlagskonzern - im "Reich der dichterischen Freiheit". Grund der finsteren Fantasien: der seit Jahren tobende Machtkampf zwischen seinem Vater Hans und der Hälftepartnerin WAZ.

In dem mischte der älteste Sohn des Krone-Herausgebers immer wieder kräftig mit: 2003 behauptete Michael, die WAZ arbeite "mit der organisierten Kriminalität in Kroatien zusammen", und trat so eine Verfahrenslawine los: Dichand jr. berichtet von "50 Gerichtsverfahren" zwischen ihm und der WAZ.

"Meine Existenz aufs Spiel gesetzt"

Was die ihm gebracht haben? "Ich habe meine Existenz aufs Spiel gesetzt", klagt Dichand: "Die Anwälte verdienen Millionen, ich verliere."

20.000 Seiten Material habe er inzwischen gesammelt. Und er erhebt neue Vorwürfe: "Die Gesellschafter haben gestohlen. Es hat Griffe in die Kasse gegeben." Ihm habe die WAZ gar schriftlich gedroht: "Wir werden Sie wirtschaftlich ruinieren" oder: "Das wird Ihnen wirtschaftlich schaden", versucht sich Dichand jr. im Gespräch mit dem STANDARD an den Wortlaut zu erinnern. DER STANDARD distanziert sich von den Vorwürfen.

Klageflut

Dichands Aufwand entschädigten jüngst zwei Urteile: Laut Oberstem Gerichtshof darf die WAZ Dichand jr. nicht mit Videokamera überwachen. Und muss deshalb rund 17.000 Euro an Verfahrenskosten zahlen. Und das Bezirksgericht Frankenmarkt entschied: Dichand habe in einem früheren STANDARD-Interview die ihm per einstweiliger Verfügung verbotenen Mafia-Vorwürfe nicht wiederholt, obwohl er sie "nicht zurücknehmen" wollte. Dagegen berief die WAZ.

Bei der Klagsflut kann man den Überblick verlieren. Dass nun ein Schiedsverfahren Hans Dichands gegen die WAZ bevorsteht, dementiert Michael erst heftig. Aber: "Ich kenne mich ja auch nicht so genau aus."

Die WAZ war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 25.1.2006)

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