24.1.: Staatsfernsehen

5. Februar 2006, 19:12
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Der ORF versteht sein Geschäft: Zuerst bereitet er für sein Publikum die Fakten auf, dann lässt er über diese diskutieren ...

Der ORF versteht sein Geschäft: Zuerst bereitet er für sein Publikum die Fakten auf, dann lässt er über diese diskutieren. Und so wurde am Sonntag um 21.55 in Offen gesagt über die zu restituierenden Klimt-Bilder geplaudert - und erst danach die Dokumentation Der Fall Klimt über die Familie Bloch-Bauer gesendet.

Ein Franzose hat diese Doku gedreht. Irgendwie eigenartig: Die interviewten Österreicher mussten Englisch reden - worin nicht unbedingt ihre Stärke liegt. Zudem wurde u. a. der Verleger Christian Brandstätter befragt, der mit der Causa nichts zu tun hat. Die Doku war dennoch solid aufbereitet: Maria Altmann erzählte lange über die Flucht - und ihre Tante Adele, die auf dem goldenen Klimt-Porträt deshalb die Hände so verdreht hält, weil sie ihren verkrüppelten Finger verbergen wollte.

Die davor gesendete Diskussion hingegen war - trotz eines bestens vorbereiteten Ronald Barazon als Moderator - unsäglich. Denn statt prospektiv - wie angekündigt ("Wer kauft nach der Rückgabe?") - beschäftigte man sich fast nur retrospektiv und wenig ausgewogen mit dem komplizierten Fall. Der ORF präsentierte sich als staatliche Sendeanstalt: Der angefragte Anwalt Alfred Noll, ein Kritiker der Bildungsministerin, wurde wieder ausgeladen. Wohl weil Elisabeth Gehrer kommen sollte. Doch sie kam nicht; Staatssekretär Hans Winkler durfte kaum etwas "offen" sagen. Zusammen mit dem die Position des Staates vertretenden Juristen Heinz Krejci verniedlichte er nur die erfolgreiche Methode der Nachkriegszeit, jüdischen Familien die wertvollsten Kunstwerke abzupressen. Echt bitter. (trenk/DER STANDARD; Printausgabe 24.1.2006)

  • Adele Bloch-Bauer I
    foto: orf

    Adele Bloch-Bauer I

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