"Brauchen einen klugen Energiemix"

7. Februar 2006, 15:53
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Rohstoffimporte zur Biospriterzeugung nötig

Wien - Befragt man Heinz Kopetz, Vorsitzenden des Österreichischen Biomasse-Verbandes, worauf nachwachsende Energiegewinnung in Österreich stärker basieren sollte, sagt er: "Weide und Pappel. So, wie Auwälder bei uns aussehen. Die kann man nämlich alle drei bis sechs Jahre ernten und eignen sich besser als der normale Hochwald."

Die nationalen Biomasse-Aktionspläne, die die EU-Länder und somit auch Österreich im Zuge einer verstärkten Biomassenutzung erstellen werden, sollten nämlich vernünftigerweise auf die speziellen Bedingungen eines jeden Landes abstellen, meint der Experte. Nur so könne man bestmögliche Hektarerträge bei höchstem Wirkungsgrad erreichen. "Als kleines Land brauchen wir einen klugen Energiemix, auch bei erneuerbaren Energien."

Energie aus Biomasse - Holz oder "Energiekörner" mit wenig Eiweiß aber hohem Stärkegehalt - bieten sich dabei eher zur Wärmegewinnung an als zur Stromerzeugung. Bei der "Verstromung" von Biomasse erreiche man nämlich einen niedrigeren Nutzungsgrad als bei Wärmeerzeugung.

Denn: "Biomassewärme ist bereits jetzt deutlich billiger als die fossile Konkurrenz", sagt Kopetz, ein Verhältnis, das sich bei der Erzeugung von Bio-Treibstoffen (Biodiesel, Ethanol) noch nicht erreichen lässt.

Biomassenutzung für die Stromerzeugung ist zu derzeitigen Preisen "häufig wettbewerbsfähig", führt der EU-Biomasse-Aktionsplan trotzdem an. Allerdings, meint Kopetz "ist das in Österreich nur mehr sehr limitiert ausbaubar. Mehr als vier Prozent des Strombedarfs ließe sich in Österreich kaum aus Biomasse erzeugen, da eben Biomasse für die Wärmeerzeugung ein besseres Einsatz-Ertragsverhältnis gibt. Beides, so Kopetz, ginge vom Rohstoffangebot her nicht.

Wegen des limitierten Rohstoffangebots müsse Österreich deshalb bei der Stromerzeugung weiterhin auf den Ausbau von Wind- und Wasserkraft setzen, schon um zu verhindern, dass immer mehr Atomstrom herein kommt.

Setzt Österreich die derzeit angedachten Pläne um, würde das heimische Rohstoffangebot auch bei Treibstoffen wie Biodiesel oder Bioethanol bald auf Grenzen stoßen. Kopetz: "Es muss klar sein, dass wir da etwa die Hälfte importieren werden müssen. Wir haben nicht genug Fläche." Als Rohstoffbasis für Ethanol biete sich in Österreich Mais, Getreide und Zuckerrübe an. Biomethan, ein Konkurrenzprodukt zu Erdgas, kann etwa aus Mais oder tierischen Abfällen hergestellt werden. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 24.01.2006)

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