Demokratische Republik von jahrelangem Krieg zerrüttet

29. Juli 2006, 22:10
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Bei Wahlen in diesem Jahr soll der bisher blutigste Bürgerkrieg in Afrika beendet werden - Auch der Westen hat Interessen

Kinshasa - Wenn Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac am Montag mit Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammentrifft, dürfte auch der europäische Beitrag für die UNO-Friedenstruppe in der Demokratischen Republik Kongo Thema sein. In dem riesigen Land im Herzen von Afrika soll bei Wahlen in diesem Jahr der bisher blutigste Bürgerkrieg in Afrika beendet werden. Auch das Ausland hat ein großes Interesse am Frieden im früheren Zaire: Denn das Land gilt wegen seiner enormen Rohstoffreserven als Schlüssel zu Einfluss und Macht auf dem Kontinent.

Unabhängigkeit seit 1960

Im Jahr 1960 wurde die belgische Kolonie Kongo unabhängig. Im Jänner 1961 wurde der Unabhängigkeitsführer und erste Premierminister Patrice Lumumba, eine der afrikanischen Symbolfiguren des Kampfes gegen den Kolonialismus, an die mit der früheren Kolonialmacht kollaborierenden Katanga-Sezessionisten ausgeliefert und ermordet. In den folgenden Jahrzehnten erschütterten immer wieder schwere Kriege das Land. Über Jahrzehnte herrschte der Diktator Mobutu Sese Seko über das Land, das zwischenzeitlich in Zaire umbenannt wurde. Noch vor der Flucht Mobutus stürzte das Land in einen fünfjährigen Bürgerkrieg, in dessen Verlauf mehr als drei Millionen Menschen bei Kämpfen oder durch Hunger und Krankheiten starben. Mehrere Staaten der Region heizten den Konflikt auf Seiten von Rebellen oder Regierung an.

Friedensabkommen 2003

2003 wurde ein Friedensabkommen unterzeichnet und eine Übergangsregierung unter Präsident Joseph Kabila eingesetzt. Schon seit 1999 ist die UNO-Schutztruppe MONUC mit rund 10.000 Soldaten im Kongo, der fast so groß ist wie Westeuropa. Bei einem Referendum im Dezember stimmte eine deutliche Mehrheit für die neue Verfassung. Bis Ende Juni soll die Befriedung mit der Wahl von Präsident und Parlament abgeschlossen werden.

Brüchiger Frieden

Doch der Frieden ist bisher schon sehr brüchig. In Kinshasa belauern sich die rivalisierenden Gruppen in der Übergangsregierung. Und im Osten des Landes, geht die Gewalt weiter, die auch von den UN-Soldaten niemals eingedämmt werden konnte. Dort, wo fast alle Kriege im Kongo bisher ihren Anfang nahmen, dürfte auch der Schlüssel für Frieden und Wohlstand liegen. Denn in den dortigen Provinzen Süd- und Nordkivu liegen riesige Vorkommen an Bodenschätzen: Kupfer, Kobalt, Gold und das vor allem für Handys und Computer wichtige Coltan. Die Macht der Regierung, die in Kinshasa im Westen des Landes sitzt, wiederum reicht nicht in den gut 2000 Kilometer entfernten Osten. Und viele Nachbarländer, darunter Uganda, Ruanda und Burundi unterstützen dort Rebellen und versuchen, die kongolesischen Rohstoff-Reichtümer selbst zu kontrollieren. (APA)

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