Großbritannien: Massiver Gifteinsatz gegen Eichhörnchen

24. März 2006, 17:04
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Aus Nordamerika eingeschleppte graue Hörnchen übertreffen ihre roten europäischen Verwandten inzwischen im Verhältnis 66 : 1

London - Mit einer massiven Tötungsaktion soll in Großbritannien die Zahl der aus Amerika eingewanderten grauen Eichhörnchen stark reduziert werden. Damit soll das Aussterben des einheimischen roten Eichhörnchens verhindert werden, das kleiner und weniger aggressiv als seine amerikanischen Vettern ist. Ein entsprechendes Schutzprogramm gab die Regierung in London bekannt.

Die grauen Eindringlinge sollten durch eine "humane und gezielte" Methode überall dort zurückgedrängt werden, wo sie die roten Eichhörnchen gänzlich zu vertreiben drohen, erklärte der für Artenschutz zuständige Staatssekretär Jim Knight am Sonntag. Dafür solle in den nächsten drei Jahren vor allem Gift eingesetzt werden. "Viele Leute mögen die grauen Hörnchen zwar, aber sie sind leider eine ernste Bedrohung für einige unserer einheimischen Arten."

Sterilisierung problematisch

Die Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) würden neben ihren roten Verwandten (Sciurus vulgaris) auch Waldvogelarten bedrohen und große Schäden an Bäumen verursachen. Die Europäische Eichhörnchen-Initiative kritisierte, dass die geplante Tötungsaktion nicht weit reichend genug sei. Es müssten auch großflächig Maßnahmen zur Sterilisation der überlebenden Grauhörnchen ergriffen werden.

Dabei gibt es jedoch nach Angaben des Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft Probleme. Es sei noch nicht hundertprozentig sicher, dass die Sterilisierungsmittel nicht auch die Vermehrung der roten Hörnchen beeinträchtigten. Knight sagte, es sei zudem nicht das Ziel die grauen "Amerikaner", die im 19. Jahrhundert nach Großbritannien gebracht worden waren, völlig auszurotten. Deren Zahl sei aber deutlich zu hoch. Auf ein rotes kämen mittlerweile 66 graue Eichhörnchen.

Das Hörnchen kommt

Im italienischen Piemont hat sich das amerikanische Grauhörnchen inzwischen ebenfalls verbreitet. Der an der Universität Varese tätige Forscher Damiano Preatoni erinnerte 2004 daran, aus welch kleinen Anfängen eine almähliche Invasion entstehen kann: "1948 wurde das Grauhörnchen südlich von Turin ohne böse Absicht im Park einer Villa ausgesetzt. Jahrelang hat man nichts unternommen. Jetzt haben wir Mühe, die Expansion der Grauhörnchen zu stoppen." Preatoni schließt nicht aus, dass Grauhörnchen in Zukunft auch die Alpenregionen erobern und ihre kleineren europäischen Vettern verdrängen könnten. (APA/red)

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