Düfte für Individualisten

2. August 2006, 15:49
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Inhaber-geführte Parfumerien profilieren sich mit wenig bekannten und ausgefallenen Marken

Ein erfolgreich lancierter Duft wird weltweit von hunderttausenden Menschen getragen. Die Megaseller stammen meist aus traditionsreichen Parfumhäusern sowie von den großen Kosmetik- und Modefirmen. Daneben gibt es aber eine Menge kleine und feine Marken, die - gerade weil sie nicht überall bekannt sind - vor allem Individualisten ansprechen.

Die Branche nennt solche Parfums Nischendüfte. Sie kennzeichnen sich häufig durch eine spezielle "Historie" aus. Oft sind die Kreationen besonders einfallsreich. Vor allem Inhaber-geführte Parfumerien versuchen, sich durch ausgefallene Produkte gegenüber den großen Ketten zu profilieren.

Viel Geschichte

Viel Geschichte steckt hinter den Erzeugnissen aus dem Haus Rance, mit seiner mehr als 400-jährigen Tradition das weltweit älteste Familienunternehmen im Bereich der Parfumentwicklung. Der Ur-Ur-Ahn der heutigen Firmenspitze, Francois Rance, mischte als Hofparfumeur von Napoleon dessen persönlichen Duft "Le Vainquer" - der Sieger. Der kleine Korse selbst gab den Auftrag für "Josephine", seiner geliebten "Rosenkaiserin" Josephine Bonaparte gewidmet.

Beide Parfums sind heute - in überarbeiteter Form - wieder erhältlich, denn Jeanne Sandra Rance sieht sich als Bewahrerin und Entwicklerin der Familientradition: "Ich bin die Erbin eines Schatzes aus Essenzen, Düften und vielen seltenen, uralten Dokumenten mit einer unglaublichen Vielfalt an kosmetischen Formeln. Diese gilt es wiederzubeleben und mit High-Tech-Innovationen zu verknüpfen."

Noch weiter zurück reichen die Wurzeln der Düfte von Carthusia. Ihre Entstehung in einem Kloster datiert der Überlieferung nach auf das Jahr 1380, als die Königin Johanna von Anjou Capri einen Besuch abstattete und mit einem Strauß der schönsten Inselblumen empfangen wurde. Durch einen Zufall stellte man nach drei Tagen fest, dass das Wasser einen angenehmen Duft angenommen hatte. Der Pater Alchemist schuf nach diesem Vorbild "Garofilium Silvestre Caprese", das erste Parfum von Capri.

Exklusiv auf Capri verkauft

1948 entdeckte der damalige Klostervorsteher die alten Rezepte wieder und zog mit Erlaubnis des Papstes einem Chemiker zu Rate. Die Produktion ist limitiert, deswegen können die Carthusia - Kartause - genannten Produkte mit den selben Methoden hergestellt werden, die schon die alten Mönche angewendet haben. Bis Ende 2002 wurde Carthusia exklusiv auf Capri verkauft.

Nicht Geschichte, sondern ihre Originalität macht die Künstlerin Keiko Mecheri zum Liebling der Lifestyle-Bibeln. Die Japanerin verwendet reine Duftessenzen und verbindet sie mit Aldehyden. Das ergibt so gewagte Kompositionen wie "Gourmandises" mit einem pudrigen Pralinenakkord. Der jungen englischen Duftmarke Miller Harris steht mit Lyn Harris eine der wenigen noch klassisch trainierten "Nasen" Großbritanniens vor, die sich auf seltene Ingredienzien spezialisiert hat. (APA)

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