Erster Schritt in Richtung Ankauf ist gesetzt

5. Februar 2006, 19:10
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"PPP-Modell" für Finanzierung - Öffent­licher Anteil soll durch steuerliche Absetzbar­keit für Sponsoren bestritten werden

Wien - Die Republik Österreich hat nach dem Schiedsspruch bezüglich der fünf Klimt-Bilder, die an Bloch-Bauer-Erbin Maria Altmann restituiert werden, den ersten Schritt in einem vorher vereinbarten Prozedere für einen möglichen Ankauf eines oder mehrerer Bilder getätigt. Dies bestätigte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) am Rande der "Saliera"-Pressekonferenz der APA. Für die Finanzierung wolle man auf ein PPP-Modell, eine Mischung aus privaten und öffentlichen Geldern, zurückgreifen, so Gehrer.

Der erste notwendige Schritt in dem Prozedere war, den Bloch-Bauer-Erben offiziell mitzuteilen, dass man in Verhandlungen über eines oder mehrere der Bilder eintreten will. Dafür hatte man nach APA-Informationen bis kommenden Donnerstag Zeit. "Dies ist geschehen", so Gehrer heute.

Nun folgen Verhandlungen mit der von Anwalt Randol Schoenberg vertretenen Altmann und den weiteren vier Erben, danach ein Mediationsverfahren, bei dem der Grazer Historiker Dieter A. Binder als Mediator eingesetzt wird. Der Preis der Bilder wird aus den Schätzgutachten von drei internationalen Kunstexperten oder Auktionshäusern ermittelt, heißt es in der morgen, Montag, erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil".

"Private Public Partnership"

Zur Finanzierung wolle man auf ein "PPP-Modell" ("Private Public Partnership") zurückgreifen, schilderte Gehrer der APA. Der öffentliche Anteil solle nicht aus dem Beisteuern von Budgetgeldern, sondern aus der steuerlichen Absetzbarkeit für die Mäzene und Sponsoren bestritten werden, so die Ministerin. Dadurch nehme das Finanzministerium weniger Geld ein, was eine Form der Zahlung sei, so Gehrer.

Zu den Medienberichten über ein Bankenkonsortium, das der Republik einen langfristigen Kredit für die Anschaffung gewähren soll, oder zu einzelnen Sponsoren wollte Gehrer keine Angaben machen. Man habe mit Altmann und ihrem Anwalt Stillschweigen vereinbart. In der Samstags-"Zeit im Bild" des ORF wurde berichtet, dass der Vorstand der BAWAG am Dienstag mit anderen Banken eine gemeinsame Finanzierung durch ein Bankenkonsortium beraten wird.

"Sondierungsphase" bei Bankenkonsortium

Ein Bankensprecher hatte gegenüber dem ORF Radio gesagt, man sei erst in einer "Sondierungsphase". Das nötige Geld bereit zu stellen wäre sicher kein Problem, entscheidend sei, ob die Republik dies wolle. Die Banken hätten jedenfalls nicht von sich aus Ankaufsüberlegungen.

Zuversicht

Auch Gerbert Frodl, der Direktor der Österreichischen Galerie, hat sich laut "Presse" zuversichtlich gezeigt, dass zumindest die goldene "Adele Bloch-Bauer I" in Österreich bleibe. "Ich rechne mit einer Entscheidung in den nächsten zwei bis drei Tagen", habe Frodl bereits Donnerstagabend gemeint. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) habe gegenüber der "Presse" ein Kaufangebot an die Erben von rund 40 Mio. Euro angedeutet. Experten hätten laut Gehrer den "Museumswert" der "goldenen Adele" auf 30 bis 40 Mio. Euro geschätzt.

Gehrer: Derzeit kein Kaufangebot

Gehrer hatte dies umgehend dementierte: Es gebe derzeit kein Kaufangebot für die Klimt- Bilder, und es seien daher dafür auch keine, wie auch immer kolportierten, Summen genannt worden, stellte Gehrers Pressesprecher Thomas Schmid in einer Aussendung klar.

"Museumswert"

"Museumswert" sei eine neue Wortschöpfung, das habe er noch nie gehört, sagt dazu laut "Presse" der Direktor der Kunstauktionen "Im Kinsky", Otto Hans Ressler. Auch Karl Schütz, Direktor der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums, könne sich darunter nichts vorstellen. "Man braucht wohl eine Begründung, um einen geringeren Wert anzugeben, da nennt man es halt Museumswert", spekuliert Karl Schön, Kuratoriumsmitglied der Österreichischen Galerie. Randol E. Schoenberg hatte den Wert der "Dame in Gold" am freien Markt zuletzt auf fast das Dreifache, nämlich rund 105 Millionen Euro veranschlagt.

Schoenberg, der am Umsatz beteiligt ist, plädiere klarerweise für eine möglichst hohe Summe, zitiert der heutige "Standard" Heidi Glück, die Pressesprecherin von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), aber aus ihrer Sicht gebe es obere Limits: "Sie liegen weit unter den kolportierten 100 Millionen Euro für das Porträt Adele Bloch-Bauer I."

Kolportierter Wert basiert auf Versicherungsvertrag

Laut Österreichischer Galerie basiert der kolportierte Wert von 140 Mio. Euro für alle sechs Bilder (sechs deshalb, weil auch das Eigentum am Bildnis "Amalie Zuckerkandl" strittig ist) auf den Zahlen eines Versicherungsvertrages, schreibt der "Kurier" in seiner Samstagsausgabe. Der Versicherungswert der fünf Bilder betrage etwa 120 Mio. Euro. In der öffentlichen Diskussion werde zur Zeit Versicherungswert mit Marktwert gleich gesetzt, was unzulässig sei, weil Auktionsergebnisse nicht vorhersehbar seien. (APA)

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    montage: derstandard.at / foto: österr. galerien/österr. lotterien
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