Taferlstreit als Familientradition

16. März 2006, 17:04
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Umweltstadträtin Ulli Sima hat mit der wilden Tempo 50-Debatte ihre politische Feuertaufe erlebt

Wien - Eine Frage hört sie nur mehr selten - gelegentlich noch in Kärnten: Ob sie mit dem früheren Landeshauptmann verwandt sei. Spätestens seit der Tempo 50-Debatte wird in Wien der Name Sima endgültig mit Ulli und Umweltstadträtin verbunden.

Dass ihr Großvater Hans schon für die SPÖ regierte - und Anfang der 70-er in Kärnten mit seinem Ortstafelgesetz scheiterte -, hat ihr in der politischen Karriere kaum geholfen. Zu groß war auch der Umweg: beruflich über die Umweltorganisation Global 2000 und politisch über die Grünen. Für erstere hatte sie eine Gentechnik-Kampagne organisiert - letztere brüskierte sie, als sie sich im Sommer 1999 über Nacht von den Grünen abwandte und ihre Nationalratskandidatur für die SPÖ bekannt gab. Vor allem ein Zerwürfnis mit ihrer besten Freundin Eva Glawischnig war die Folge, bis sie sich - beide in der Opposition vereint - wieder versöhnten.

Brautjungfer

Inzwischen, da Sima Wiener Stadträtin ist und gemeinsam mit dem Wiener SP-Klubobmann Christian Oxonitsch ihr zweites Kind Marie bekam, konnte sie ganz entspannt bei Eva Glawischnigs Hochzeit die Brautjungfer geben.

Beruflich ging es vor allem in letzter Zeit weniger relaxed zu. Wie schon Großvater Hans, hat auch die Enkelin Ulli jetzt mächtige Zores mit Ortstafeln - diesmal rund um die Frage, ob bei denen 50 oder 70 oder mehr stehen soll.

Wobei vor allem in der Öko-Szene die Reaktionen durchaus gemischt sind. Auf der einen Seite die Kritik am "Umfaller", dass in ein paar Straßen das Tempo wieder erhöht wurde - und dass die Feinstaub-Maßnahme Tempo 50 lächerlich sei im Vergleich mit den geplanten Straßenneubauten wie Lobauautobahn und Nordost-Umfahrung.

Viel erreicht

Auf der anderen Seite aber auch Ärger bei einigen Ur-Ökos, dass Sima zu Unrecht geprügelt werde. Schließlich sei Tempo 50 in fast allen Straßen Wiens vor Kurzem noch vollkommen undenkbar gewesen, es sei europaweit bei vergleichbaren Städten eine der strengsten Regelungen. Auch sei für einigen Quirx, wie die verspätete "Grüne Welle" oder das Durcheinander beim Taferl-Austausch der Verkehrsstadtrat verantwortlich. Und - viel wichtiger: Sima habe mit der Vereinbarung eines Filtereinbaus bei der OMV eine Stickoxid-Reduktion um 20 Prozent erreicht. Daran hätten sich vorher NGOs und Ministerium 15 Jahre die Zähne ausgebissen.

Sima selbst wird es medial überstehen. Schon sind wieder erste Bild-Termine für die Krone absolviert. Dass sie den Ruf hat viele "Show-Einlagen" zu liefern und Marketing-orientiert zu agieren, darüber "wundere ich mich ohne Ende", so Sima. Sie habe nun einmal "viele liebliche Bereiche, die sich für ein Foto anbieten".

Dass sie das "Umweltherz am rechten Fleck" hat, wird in der Szene nie angezweifelt. Aber sie habe auch ihre Karriere im Auge. "Sie will etwas bewegen, aber vor allem will sie etwas bewegen", heißt es.

Der nächste Karriereschritt dürfte aber kaum im Herbst in Richtung Bund gehen. Denn: Wird es Schwarz-Rot, wird die ÖVP Umwelt und Landwirtschaft nicht abgeben. Oder es wird Rot- beziehungsweise Schwarz-Grün - dann ist eher ihre beste Freundin dran. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 21./22.01.2006)

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    foto: der standard /regine hendrich
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