Siemens-ElinEBG: Hunderte Jobs wackeln

2. März 2006, 13:12
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Laut Siemens-Insidern sind allein in Österreich zwischen 550 und 650 Arbeitsplätze nach der Zusammenführung der ElinEBG mit dem Siemens-Industriegeschäft überflüssig

Wien - Die Übernahme der VA Tech durch Siemens wirkt: Bei ElinEBG, dem früheren Herzstück des Unternehmensbereichs Infrastruktur, stehen zwischen 550 und 650 Arbeitsplätze zur Disposition. Einen entsprechenden Beschluss habe der Siemens-ElinEBG-Vorstand bereits in der Vorwoche gefasst, erfuhr DER STANDARD aus Siemens-Kreisen.

Der Grund für die arbeitsmarktpolitisch zur Unzeit kommende Maßnahme sind Überschneidungen, die durch die Zusammenführung des Industriegeschäfts der einstigen Konkurrenten in Österreich entstehen. Betroffen seien aber nicht nur Arbeitsplätze bei ElinEBG, sondern auch in Energieübertragung und -verteilung (PTD bzw. T&D), Fertigung und Montage.

Vorstand berät am Mittwoch

Noch nicht abgesegnet wurde die Maßnahme bis dato vom Vorstand der Siemens AG Österreich. Das könnte sich allerdings rasch ändern, denn der tagt kommenden Mittwoch das nächste Mal und muss über die - auch innerhalb des Führungsgremiums nicht unumstrittenen - Einschnitte befinden. Eine Vorentscheidung könnte bereits bei der heute, Samstag, im niederösterreichischen Mayerling zu Ende gehenden zweitägigen Vorstandsklausur fallen. Dort geht es allerdings primär um die Arbeitsteilung im nun siebenköpfigen Siemens-Österreich-Vorstand.

Siemens-Chefin Brigitte Ederer bestätigt auf STANDARD-Anfrage weder konkrete Zahlen noch Köpfe, räumt aber ein: "Wir haben in Teilbereichen ein Kostenproblem, das ist aber bereits bekannt." Noch sei nichts beschlossen, dafür sei der Zeitpunkt "bei Weitem noch nicht gekommen". Außerdem sei "Köpfe-Reduzieren" nur eine Möglichkeit von vielen, noch dazu keine besonders kreative.

Intensive Verhandlungen mit Gewerkschaft

Ein Indiz dafür, wie heiß die Causa ist, ist zweifellos, dass die Belegschaftsvertreter der beiden vor der Fusionierung stehenden Konzerne für eine Stellungnahme erst gar nicht erreichbar waren. In der Metallergewerkschaft ist von intensiven Verhandlungen über Betriebsvereinbarungen beziehungsweise Sozialplänen die Rede. Mit diesen, hofft man, könnte das Schlimmste vielleicht noch abgewendet werden - insbesondere in der für die von Siemens Österreich verantworteten Länder überdimensionierten Gebäudetechnik, die noch dazu mickrige Margen habe.

Die 550 bis 650 überflüssigen Arbeitsplätze seien (noch) nicht in Stein gemeißelt, hofft man, eine rechnerische Größe und Ergebnis einer von Roland Berger durchgeführten Top-down-Betrachtung. "Die Hoffnung stirbt zuletzt." (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.1.2006)

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    Schnurstracks Richtung Arbeitsplatzabbau geht es für den neuen Eigentümer Siemens bei der VA Tech.

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