Küche auf Rezept

6. Juni 2006, 14:06
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Eine Küche hat man mitunter ein Leben lang - Deshalb sollte sie mit der Zeit immer schöner werden ...

... sagt der Designer Felix Muhrhofer und hat mit Terrazzo das richtige Material dafür gefunden.

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Er ist jung, unkompliziert und kocht für sein Leben gerne und verbringt die Tage am liebsten mit Freunden und selbst kreierten, kulinarischen Köstlichkeiten. Klingt, als ginge es hier um Jamie Oliver, tut es aber nicht. Die Ähnlichkeit des englischen Starkochs mit dem österreichischen Designer Felix Muhrhofer ist rein zufällig. Was Muhrhofer mit Jamie Oliver verbindet, ist die Liebe zum Einkaufen, das Zelebrieren der Speisenzubereitung und das gesellige Beisammensein beim Essen. Kochen ist für Muhrhofer, Absolvent der Meisterklasse für Industrie-Design an der Universität für angewandte Kunst, schon lange ein zentraler Bestandteil seines Lebens.

Küchenmodulsystem "cuka"

Als er eine eigene Wohnung einrichtete, nahm er dies zum Anlass, sich seine Küche nach eigenen Vorstellungen selbst zu bauen. "Ich wollte nicht gegen eine Wand kochen, wollte eine kommunikative Lösung und beständige Materialien, die man gerne anfasst", erinnert er sich. Seine erste Küche und die dortigen Kochsessions wurden legendär. Und irgendwann machte sich Muhrhofer zum Küchendesigner, feilte vier Jahre an einem Konzept und präsentierte es 2004: "cuka" ist ein Küchenmodulsystem, das als "Bühne für kulinarische Genüsse" entworfen wurde und auch so vermarktet wird. Wie herkömmliche Einbauküchen sehen die Lösungen des Paolo-Piva-Schülers natürlich nicht aus. Einmal ganz abgesehen davon, dass alles handgefertigt und maßgeschneidert ist, werden bei "cuka" die Gestelle aus Vollholz, die Verbindungen aus Edelstahl und sämtliche Leisten aus Nirosta gefertigt.

Zutaten für die Arbeitsplatte

Richtig spektakulär ist allerdings die Arbeitsplatte aus Terrazzo, die Muhrhofer nach eigenen Entwürfen im neunten Bezirk in Wien gießen lässt. Das hat den Vorteil, dass sich seine Kunden - gleichsam wie ein Rezept - die Zutaten für ihre Arbeitsfläche selbst aussuchen können: weiße, etwas durchsichtige Marmorsplitter aus Carrara, dazu rosaroten Rosso-Verona-Stein aus Viareggio, eventuell auch gesprenkelten Rosso arabesco? Auch selbst gesammelte Steine von Urlauben am Meer und österreichischer Straßenschotter können in den Terrazzo mit eingearbeitet werden und ergeben geschliffen, geglättet und mit Wachs eingelassen eine einzigartige Struktur.

"Die Oberflächen meiner Küchen sind individuell, doch immer fugenlos, haptisch ansprechend und mit einer starken Ausstrahlung behaftet", sagt Muhrhofer, der zudem auch auf kleine, nette Details Wert legt, etwa auf einen Messerschlitz zwischen den Platten oder das kleine Becken unter der Abwasch, das zum Kühlen von Getränken genutzt werden kann. Apropos: Das Steinbecken aus Terrazzo ist im Grunde genommen das eigentliche Highlight der Küche - wer davor steht, bekommt richtiggehend Lust zum Abwaschen.

Leinwand bespannte Türen

Die Türen der Küchenkästen bespannt Muhrhofer in der klassischen "cuka"-Version mit Leinwand. Das findet er praktisch, weil sich damit das Design der Küche ohne viel Aufwand verändern lässt. "Die Arbeitsplatte selbst wird mit der Zeit ganz automatisch immer schöner", sagt er und betont, dass bereits die Römer um die Vorzüge von Terrazzo gewusst hätten. Muhrhofer macht um der Schönheit willen mittlerweile auch Kaffeehaustische aus diesem Material. Dass er archaische Möbel mit sinnlichen Aspekten produziert, ist dem 38-jährigen Einzelkämpfer wichtig. Allein: Auf Prospekten sind diese Qualitäten nur sehr schwer zu erfassen. Muhrhofers Marketingstrategie: Zusammen mit seinem Freund Jakob Glatz hat er am Kühnplatz in Wien einen Kochklub gegründe. Einstweilen gibt es 20 zahlende Mitglieder (Monatsbeitrag 15 Euro), die sich zu regelmäßigen Kochsessions treffen, rund 100 Interessenten stehen auf der Warteliste. Muhrhofer hat die Idee der Kochklubs aus dem Baskenland nach Wien verpflanzt. In San Sebastián gibt es die so genannten Txokos oder Sociedades bereits seit dem 19. Jahrhundert. Sie sind Treffpunkte für gemeinsame kulinarische Experimente, und die Mitgliedschaft ist dort bis heute vorwiegend Männern vorbehalten.

So eng sieht Felix Muhrhofer die Sache heute selbstverständlich nicht, für ihn erfüllt der Kochklub mittlerweile zwei Funktionen. Am Kühnplatz wird - wie könnte es anders sein - in "cuka"-Küchen gekocht. Das hat den Vorteil, dass potenzielle Kunden dort gleich einmal Probe kochen, vielleicht sogar Probe abwaschen können. Andererseits kann Felix Muhrhofer hier seiner Leidenschaft, dem Kochen, frönen und seine Gäste und Mitstreiter bis spät in der Nacht und ohne das Maulen ruhebedürftiger Nachbarn mit Bruschetta, Fischsuppe und Sardinen-Kreationen füttern. Das macht allen Spaß, Muhrhofer und den Gästen, und selbst Jamie Oliver hätte wohl auch seine Freude daran, ist doch der Naschmarkt nur einen Steinwurf von der Prachtküche entfernt. (Karin Pollack/Der Standard/rondo/20/01/2006)

  • Vor allem die individuell gestalteten Terrazzo-Oberflächen der Küchen machen aus den Kochstellen von "cuka" Unikate.
    foto: cuka

    Vor allem die individuell gestalteten Terrazzo-Oberflächen der Küchen machen aus den Kochstellen von "cuka" Unikate.

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    foto: cuka
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