Erlebnisshopping im Einbruchsladen

9. März 2006, 14:09
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Zu Besuch im kürzlich eröffneten "Securityland" war Thomas Rottenberg - Er weiß jetzt auch, dass "E-Card" auf Deutsch "Einbrecher- karte" heißt

Es funktioniert wirklich. Und es ist gar nicht schwer - eher im Gegenteil: Wenn man da einmal den Dreh heraushat, klappt der Schmäh mit der Kreditkarte tatsächlich - und zwar fast jedes Mal beim ersten Versuch. Nur auf eines sollte man Acht geben: Will man die Plastikkarte nachher noch so verwenden, wie das eigentlich und ursprünglich vorgesehen ist, sollte man Türen vielleicht doch mit etwas anderem öffnen - mit dem dazugehörigen Schlüssel etwa; schließlich will Christian Fischer ja niemanden dazu ausbilden oder animieren, in fremder Leute Wohnungen einzusteigen.

Übungstür zum Einbrechen

Aber weil es doch ein bisserl aufwändig wäre, jedem Interessenten daheim und an seiner eigenen Wohnungstür zu zeigen, wie leicht und rasch die im Normalfall sogar von Menschen zu knacken ist, die noch Minuten zuvor weder über kriminelle Neigungen noch Qualifikationen verfügt haben (und weil es - abgesehen von der Kreditkartennummer halt auch Methoden gibt, die weniger das Werkzeug als das Werkstück beschädigen), hat Fischer an der B17 eine Tür aufgebaut. An der darf jeder, der will, einbrechen üben. In der Regel gelingt der "Bruch" - und dann hat der gelernte Unternehmensberater gewonnen: Rund um die Tür mit acht Soll-Ansetzstellen für Brecheisen, Schlossabdrehwerkzeug, Briefschlitzangeln, Kreditkarten und Ähnlichem hat Fischer nämlich ein ganzes Geschäft gestellt. Und in dem gibt es all das, was bösen Menschen das Handwerk zwar nicht legen kann, aber eben doch ein bisserl schwerer macht.

"Securityland"

"Securityland" nennt der Nichtschlosser seinen Laden. Bevor er in Balken und Riegeln machte, half er als Unternehmnesberater unter anderen den Mobilfunkern von One und Julius Meinl ihr Publikum zu erreichen - und genau ums Erreichen, so Fischer, gehe es ja auch hier: Denn dass er etwas anderes verkauft, als man sich unter dem Titel ohnehin vorstellen würde und was im Prinzip auch Schlosser und/oder Baumärkte im Angebot haben, behauptet Fischer gar nicht. Sicher: Ein paar Gimmicks - etwa den im Buch versteckten Safe, an- und aufschraubbare Suppendosen, in denen kein Bösewicht Omas Schmuck suchen würde, oder die Nano-Kamera, die tatsächlich im Hemdknopf Platz findet - müsste man anderswo länger suchen. Aber deswegen, weiß auch der Neosicherheitsmann, kommt niemand in seinen Laden an der der SCS abgewandten Seite der Triester Straße: Fischers USP ist das Ahaerlebnis. Der Selbstversuch. Der Kartentrick. Die, wie es Fischer sagt, "erlebnisorientierte Sicherheitsberatung."

Nicht nur einfach, es macht sogar Spaß

Denn es macht eben einen Unterschied, Dinge referiert zu bekommen - oder sie zu spüren, zu probieren. Und so führt die Shop-Wegeplanung den nach dem Tür-Selbstversuch zum einen stolzen, zum anderen aber doch ein wenig beunruhigten Noch-nicht-Kunden dann zu den sieben gängigsten Austro-Haustüren (Fischer: "Die schauen im Bauhaus vielleicht nett aus - aber bei uns erkennt man dann, dass das keine Türen, sondern Einladungen sind.") - samt Armierungsvorschlägen. Danach bekommt man einen Schraubenzieher in die Hand - und steht vor einem Fenster. Schwuppdiwupp - schon ist es offen. Das ist nicht nur einfach, es macht sogar Spaß. Und in den Regalen liegen Fensterschlösser. Dann kommt die Abteilung mit den Alarmanlagen ...

Erlebnismarketing auf Angstbasis möchte der Neosicherheitsunternehmer für die Bewohner des Speckgürtels sein Konzept allerdings ganz bestimmt nicht nennen - das klänge schließlich doch ein bisserl gar negativ: Sicherheit sei eben ein Bedürfnis, das bisher kaum kundenadäquat aufbereitet worden sei, referiert Fischer: Medial werde das Thema zwar intensiv transportiert - aber über zwei Drittel der Österreich hätten "noch immer keine Ahnung, wie leicht das geht" - und "das", so Fischer, ist beides: das Einbrechen und das Sich-Wappnen. "Absolute Sicherheit gegen jemanden, der partout in mein Haus will, gibt es nicht. Aber der Gelegenheitseinbrecher erkennt, wo man es ihm schwerer macht - und wählt ein weniger aufwändiges Ziel."

Verschiedenste "Kleinigkeiten"

Den heimischen Markt schätzt Fischer auf 250 Millionen Euro - wenn auch inklusive der "Kleinigkeiten", mit denen er in seinem Erlebniseinbruchsladen nach all den Beschlägen, Schlössern, Sperrbalken, Sicherheitsschlössern, Alarmanlagen und Tresoren aufwartet: Aufblasbare Sicherheitsbezüge, mit denen etwa Badewannenarmaturen kindersicher gemacht werden können, gehören da ebenso dazu wie Rauchmelder oder am Fensterbrett montierbare, ausrollbare Fluchtleitern - oder jenes Sortiment, das dann schon ein bisserl weiter geht als die reine Unholdvergraulung: als Kugelschreiber getarnte Mikrofone oder lichtstarke Kameras, die sich in Bade- und Schlafzimmer ganz hervorragend verstecken lassen können - eventuell ja auch in dem der Nachbarin. "Wir sind", betont Fischer, "nicht für das verantwortlich, was man mit unserer Ware macht." Aber darüber, dass es mitunter praktisch sein kann, ein über 80 Meter wirksames Richtmikrofon (samt Kopfhörer) in den Händen zu haben, besteht kein Zweifel: Im Securityland etwa kann man damit ganz hervorragend jene Neuankömmlinge belauschen, die am anderen Ende des Ladens stehen und fassungslos sind - weil sie zum ersten Mal im Leben versucht haben, mit einer Kreditkarte eine Tür aufzumachen - und prompt erfolgreich waren: "Hasi, hast g'sehn? Da müss' ma uns echt was überlegen."
(Der Standard/rondo/20/01/2006)

  • Artikelbild
    foto: der standard/heribert corn
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