Takafumi Horie

13. März 2006, 13:10
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Der Kurs der magischen Katze fällt - Livedoor-Chef Takafumi Horie verursachte Panik unter Investoren

Anzuecken, das machte Takafumi Horie (33) bisher nichts aus. Er fühlte sich in der Rolle des Outlaws prächtig - solange er austeilen konnte: in Richtung japanischer Industriebosse, denen er respektlos vorwarf, dass sie im Alter nur grauhaarig, aber nicht klüger werden; gegen die Universität, die ihn dazu verdammt habe, so viele unnütze Bücher zu lesen; oder gegen faule Politiker, denen er in seinem eigenen Wahlkampf im Sommer 2005 zeigen wollte, wie man das Land wieder so richtig in Schwung bringt.

Doch seit Montagnacht ist alles anders. In dieser ist Japans Superstar des Turbokapitalismus bei den Medien in Ungnade gefallen, und "Horiemon", wie sein Spitzname nach einer magischen Katze aus einem Anime-Trickfilm lautet, ist verstummt. Dafür kracht es ordentlich an den Börsen, und er schlägt sich mit einem Dutzend Ermittler der Staatsanwaltschaft herum.

Binnen zehn Jahren hat der aus Fukuoka, einer Fünf-Millionen-Stadt auf der Insel Kyushu, stammende Horie das Milliardenunternehmen Livedoor geschaffen. Wird sein Werdegang erzählt, werden im gleichen Atemzug Namen wie Bill Gates und Steve Jobs genannt. Wie Jobs hat er klein angefangen, zwar nicht als Computerpionier in einer Garage, aber als Uni-Dropout mit einer Minifirma, die Websites gestaltete. Wie Bill Gates arbeitet er an der Verwirklichung seiner Visionen. Horie träumt von einer touristischen Nutzung des Weltalls. "Dafür brauche ich das Geld", antwortete er, als man ihn fragte, warum seine Akquisitionspraktiken immer aggressiver wurden. Der Firmenwert lag vor dem jetzigen Kursabsturz bei rund fünf Milliarden Euro. Das Unternehmen macht - neben Softwareprogrammen und Providerdiensten - Geld mit dem, was dem japanischen Businessestablishment zu minder ist, um es offiziell zu betreiben: Sex-Sites, Partnerbörsen, dem Verleih von Sexfilmen. Populär wurden durch den Single Horie auch so genannte "erogs" - sprich: "erotic blogs".

Der T-Shirt-Träger und ergo Anzughasser lässt die Japanerinnen und Japaner an seinem Leben teilhaben. Sie lieben ihn dafür. So stellt er etwa ein Foto von der Schüssel mit jener Haifischflossensuppe drin in seinen Webblog, die er zu Mittag gegessen hat, und lässt wissen, ob sie gut war. So erzeugt man den Hype, dass halb Japan wissen will: Hat es "Horiemon" heute Mittag geschmeckt? Derartiges brachte seine Website www.livedoor. co.jp unter die fünf meist besuchten Sites Japans mit Millionen Zugriffen pro Tag.

Und es nimmt nicht wunder, dass ein von ihm herausgegebenes, multimedial vermarktetes Buch viele Interessenten fand. Der Titel des Buches lautet: "Mein Weg - Von Null auf zehn Milliarden". Nach dem rapiden Verfall der Livedoor-Aktie geht er diesen Weg derzeit ein Stück zurück. (Andrea Waldbrunner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.1.2006)

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    Binnen zehn Jahren hat Horie das Milliardenunternehmen Livedoor geschaffen. Heute träumt er von einer touristischen Nutzung des Weltalls.

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