Mozartjahr-Fragenkatalog

13. März 2006, 15:45
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Wie viele "Treffpunkte" und "Streifzüge Kultur" mit nervigem Mozart-Aktionismus müssen wir noch erleiden?

Wie werden wir 2007 über Mozart denken, nachdem der ORF als offizielles Vollzugsorgan des Komponistenjubiläums ein langes Jahr Schwimmen auf der Mozart-Welle vorexerziert haben wird? Wie viele "Treffpunkte" und "Streifzüge Kultur" mit nervigem Mozart-Aktionismus (Im Montag-"Treffpunkt": eine "Mozart scheißt"-Statue aus einem Kurt-Palm-Film) müssen wir noch erleiden?

Wird die Eindeckung mit an den Haaren herbeigezogenen, irgendwas mit Mozart zu tun habenden "Kultur"-Produktionen uns von der Musik des Komponisten wegführen? Wird er zum Familienmitglied, das plötzlich zu oft vorbeischaut, oder zum Feindbild im Fernsehen? Wird der künstliche Hype irgendeinem klassikdesinteressierten Ö3-Rock, -Pop und -Schlager Hörerenden neugierig machen? Wird irgendjemand, der Mozart als Wellness-Berieselung zur Bügel- oder Ergometerbegleitung verwendet, versuchen, sich in die Musik zu vertiefen? Warum muss man platte Spektakel inszenieren, um Leute in Konzert und Oper zu bewegen?

Hätte die alles vereinnehmende Marketingmaschinerie nicht wenigstens vor dem Wien-Marathon halt machen können (Motto: "Run Vienna - enjoy Mozart!")? Ist es o. k., wenn man angesichts dieses Überangebots an Zweifelhaftigkeiten zum Totalverweigerer wird?

Wer Letztes verneint, beachte die Webtipps, siehe links. (pum/DER STANDARD; Printausgabe, 29.1.2006)

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    foto: standard/cremer
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