Postler marschieren auf

15. März 2006, 16:38
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Mit einer Mitarbeiterbeteiligung soll ein Totalabverkauf der Post verhindert werden

Offiziell bleibt die Postgewerkschaft hart: Es gebe keine gesetzliche Garantie, dass die Staatsmehrheit von 51 Prozent an der Post nach dem Börsengang gewahrt bleibe. Auch fehle eine echte Wachstumsstrategie für die Post, bisher gebe es nur "Umsatzfantasien", die 27.000 Arbeitsplätze blieben gefährdet. Deshalb marschieren die Postler heute, Donnerstag, von der Postgasse zum Finanzministerium. Regt sich danach auch nichts, gibt es Kampfmaßnahmen.

Hinter den Kulissen wird freilich emsig gedealt, damit die Teilprivatisierung der Post mitten im Nationalratswahlkampf nicht zum Fiasko wird. Dazu gehört vor allem ein Mitarbeiterbeteiligungsmodell, mit dem ein Totalverkauf möglichst bis in alle Ewigkeit verhindert werden kann. Heißt konkret: Mittelfristig zehn Prozent der Postaktien zu halten.

Diskussion über Variationen

Fixiert wurde in den Gesprächen mit Finanzminister Karl-Heinz Grasser noch nichts, versichern hochrangige Gewerkschaftsvertreter. Diskutiert werden aber mehrere Varianten, heißt es in der ÖIAG.

Das Hauptproblem dabei: das Einkommensniveau der Postler, das mit durchschnittlich 1100 Euro brutto monatlich selbst von Grasser als niedrig bezeichnet wird. Mit den schwachen Lohnabschlüssen der Postler lassen sich "keine Häuser" kaufen, schon gar nicht eine Stiftung nach dem Vorbild der Voestler befüllen, wie ein Gewerkschaftsfunktionär meint.

Grundprinzip bei einer Mitarbeiterbeteiligung ist daher die Bündelung der Stimmrechte. Denn beim Telekom- Börsengang im Jahr 2000 hätten die Mitarbeiter zwar um rund 450 Millionen Schilling Aktien gekauft, damit aber nichts bewegen können, weil jeder Kleinaktionär für sich allein geblieben sei. Neben einer Stiftungslösung, in die laufend Mitarbeiteraktien eingebracht werden und die allen Post-Mitarbeitern gehören würde, wird daher auch über eine Variante diskutiert, bei der die Post-Gewerkschaft ihre aus Mitgliedsbeiträgen gebildeten Reserven (z.B. Sozialfonds) anzapft und mit dem Geld vergünstigte Aktien kauft. Diese wären der Grundstock, der jährlich aufgestockt wird.

Gelbe Aktien von der Republik

Theoretisch möglich ist auch, dass die Republik den Postlern gelbe Aktien überträgt. Die Postler wären dann aber nicht direkt an der Post beteiligt, würden aber von den Dividenden der Stiftung profitieren. "Zunächst wäre da kein Aufwand für die Postmitarbeiter", sagte ein Insider.

Noch ist alles offen. "Wir warten auf das Angebot", sagt Postgewerkschaftssprecher Martin Palensky.

Gefeilscht werde alternativ auch darüber, die 51 Prozent des Staates nach dem Vorbild des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes im Poststrukturgesetz festzuschreiben. Das sei im Gespräch mit ÖGB-Verzetnitsch ventiliert worden. (Michael Bachner, Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.1.2006)

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    Die Postämter bleiben heute nicht zu. Rund 800 Mitarbeiter wollen am Protestmarsch teilnehmen.

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