Rekonvaleszenz-TV

21. Februar 2006, 14:05
12 Postings

Blöd ist's, wenn man nach drei Minuten Film bemerkt, dass man ihn schon kennt ...

Blöd ist's, wenn man nach drei Minuten Film bemerkt, dass man ihn schon kennt. So geschehen mit der Komödie "Down with Love - Zum Teufel mit der Liebe!", die Sat.1 am Samstagabend ausstrahlte. Darin spielt Renée Zellweger eine Autorin, die in ihrem Bestseller Frauen vom Heiraten abrät und deshalb von einem Macho-Reporter heimgesucht wird, der sich natürlich in sie verliebt usw. usf.

Das Ganze in bester Rock-Hudson/Doris-Day-Tradition mit 1a-Ausstattung. Da man ohnehin nur zu Hause ist, weil die andere Haushaltshälfte darniederliegt - "Nie wieder Alkohol!" - eilt man in die Videothek. Dort ist um halb neun natürlich alles ausgeliehen, was Trostpflastertauglichkeit besitzen würde. Und Filme, in denen jene sinnlose Gewalt vorkommt, von der man manchmal tagträumt, sind verboten, weil der "Nie wieder Alkohol!"-Patient das auch ohne posttoxische Beeinträchtigung schon nicht aushält.

Minütliche Verschlechterung

Ohne DVD-Beute wieder auf der Couch, zappt der Krankenpfleger also durch Kanäle, die mit "Wenn die Musi spielt" (ORF), der tausendsten Wiederholung von "Indiana Jones" (ProSieben) oder der Serie "24" (RTL) den Zustand des Patienten minütlich verschlechtern.

Gerettet wird dieser schließlich von Peter Bogdanovics "The Last Picture Show" aus der Hausapotheke. Dieser Film erweist sich zudem als seltene Möglichkeit, Hank Williams (von ihm stammt der Soundtrack) zu hören, ohne von der Leidenden gleich eins mit der "Sch...ß-Country"-Keule übergezogen zu bekommen. (flu/DER STANDARD, Printausgabe, 16.1.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.