Scheich Jaber al-Ahmad al-Sabah nach langjähriger Krankheit gestorben

29. Juni 2006, 10:49
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Emir von Kuwait regierte das Land seit 1977 - 40-tägige Staatstrauer angeordnet

Kuwait - Nach fast drei Jahrzehnten an der Macht ist am Sonntag der Emir von Kuwait im Alter von 77 Jahren gestorben. Voller Trauer verkünde er der Welt den Tod von Scheich Jaber al-Ahmad al-Sabah, sagte Informationsminister Anas al-Rashid im staatlichen Fernsehen. Die Regierung des Golfstaats ordnete eine 40-tägige Staatstrauer an. Behörden, Banken und Geschäfte wurden zum Zeichen der Trauer für drei Tage geschlossen.

Trauernde Kuwaiter versammelten sich vor der Residenz des Emirs im Zentrum von Kuwait-Stadt. Das staatliche Fernsehen unterbrach sein reguläres Programm und sendete Koran-Lesungen. Auch andere arabische Staaten ordneten eine dreitägige Staatstrauer an.

Keine Angaben zu genauer Todesursache

Zur genauen Todesursache des seit langem kranken Emirs wurde zunächst nichts bekannt. Er sollte noch im Laufe des Tages zu Grabe getragen werden. Der Scheich regierte den reichen Golfstaat, der über mehr als zehn Prozent der weltweiten Erdölreserven verfügt, seit 1977.

In die Amtszeit des verstorbenen Emirs fielen einige der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Kuwaits. Am 2. August 1990 marschierten irakische Truppen in das kleine Land am Golf ein. Der Irak annektierte das Nachbarland und ernannte es zur 19. Provinz. Die kuwaitische Herrscherfamilie entging durch Flucht nach Saudiarabien knapp der Festnahme.

Anfang 1991 beendeten internationale Truppen unter US-Führung die irakische Invasion, und die Herrscherfamilie kehrte nach Kuwait-Stadt zurück. 1985 war der Emir knapp einem Bombenanschlag entkommen, hinter dem offenbar radikale Schiiten steckten, die die Unterstützung Kuwaits für den Irak in dessen Krieg gegen den Iran rächen wollten.

Gesundheitliche Probleme seit 2001

Die Gesundheit des Emirs hatte sich seit einer Gehirnblutung im Jahr 2001 zunehmend verschlechtert, mehrfach ließ er sich im Ausland behandeln. Die meisten seiner Aufgaben übernahm der inzwischen sehr einflussreiche Ministerpräsident Scheich Sabah al-Ahmad al-Sabah. Beobachtern zufolge wird er vermutlich zum neuen Kronprinzen ernannt. Ob er Regierungschef bleiben wird, war zunächst unklar. Der bisherige Kronprinz und neue Emir Scheich Abdullah al-Sabah ist seit einer Darmoperation 1997 ebenfalls gesundheitlich angeschlagen. Der 76-Jährige muss vor dem gewählten Parlament einen Amtseid ablegen.

Das Herrscherhaus Sabah regiert Kuwait seit mehr als 250 Jahren. Der verstorbene Emir hatte die Herrschaft von seinem Vorgänger Sabah al-Salim al-Sabah übernommen, der bis Ende 1977 den Staat lenkte. Laut kuwaitischer Verfassung ist der Emir Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber. Der Golfstaat war 1961 nach 62-jährigem britischen Protektorat wieder unabhängig geworden.

Gehäufte Todesfälle

Mit dem Emir von Kuwait ist binnen 15 Monaten auch das Staatsoberhaupt des dritten der drei ölreichsten Golfstaaten verstorben. Am 1. August 2005 war der saudiarabische König Fahd nach langer Krankheit mit 84 Jahren gestorben. Am 2. November 2004 starb der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Sayed bin Sultan al-Nahayan, im Alter von 86 Jahren. Erst im Jänner starb zudem der Emir von Dubai und Vizepräsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Maktoum bin Rashid al-Maktoum, während einer Australien-Reise.

USA-Verbündeter

Seit dem ersten Golfkrieg 1991 ist Kuwait einer der wichtigsten Verbündeten der USA in der Region. Die ausländischen Truppen im benachbarten Irak wickeln ihren Nachschub zu einem Großteil über das Emirat ab. Dies führte in den vergangenen Jahren zunehmend zu Konflikten zwischen kuwaitischen Sicherheitskräften und islamischen Fundamentalisten. Erst im Dezember verurteilte ein kuwaitisches Gericht sechs mutmaßliche islamische Terroristen zum Tode, die unter anderem den Sturz des Regimes und Anschläge gegen ausländische, im Irak eingesetzte Truppen geplant haben sollen. (APA/AFP/dpa)

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    Kuwaits Emir, Scheich Jaber al-Ahmad al-Sabah, starb am Sonntag im Alter von 77 Jahren.

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