Deutsche Experten warnen vor resistenten Aids-Viren

2. Juni 2006, 16:56
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Auch Pneumokokken und Staphylokokken mit Resistenzen

Berlin - Zehn Prozent aller Neuinfektionen mit dem Aids-Erreger in Deutschland gehen nach Angaben der deutschen Ärztekammer auf so genannte resistente HI-Viren zurück. Eine ähnliche Entwicklung stellten Experten auch bei Bakterien wie Pneumokokken und Staphylokokken fest, teilte die Ärztekammer am Samstag mit. Resistente Viren stellen bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten ein ernstes Problem dar, berichteten Experten auf einem Symposium der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft in Berlin.

Irrationaler Einsatz von Antibiotika

"Hierfür ist wesentlich der verbreitete irrationale und überflüssige Einsatz von Antibiotika verantwortlich", kritisierte der Vorsitzende der Arzneimittelkommission, Bruno Müller-Oerlinghausen mit Blick auf die Bekämpfung von Bakterien. Problematisch sei auch die Stagnation der industriellen Forschung auf dem Gebiet der Antibiotika.

Für fortgeschrittene HIV-Infektionen gebe es seit Mitte der neunziger Jahre eine Therapie, mit der HIV zu einer behandelbaren chronischen Infektionskrankheit geworden sei. Erstmals sei 2005 jedoch die Zahl der Neuinfektionen mit dem Aids-Erreger in Deutschland gestiegen, hieß es. Als Hauptursachen wurden zunehmende Sorglosigkeit und die Annahme, die Krankheit sei durch neue Therapien heilbar, genannt. Eine völlige Abtötung der Viren sei aber noch nicht möglich, betonte ein Vertreter der Berliner Charite. (APA/dpa)

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