Pekings "Plagiat-Tempel" geklagt

9. März 2006, 14:09
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Modegruppen Gucci, Prada, Burberry, Louis Vuitton und Chanel für Marken-Fälschungen entschädigt

Rom - Klangvolle Namen der internationalen Mode rüsten sich gegen Handel mit gefälschten Marken in China. Die Modegruppen Gucci, Prada, Burberry, Louis Vuitton und Chanel haben von Pekings Xiu Shiu Silk Street, dem wahrscheinlich größten Plagiatmarkt der Welt, eine Entschädigung von 10.700 Euro erhalten. Die Luxuskonzerne hatten bei einem Pekinger Gericht gegen das Shopping-Center geklagt, in dem Prada-Kleider für acht Euro und perfekt gefälschte Vuitton-Taschen für 15 Euro zu finden sind.

Markenschutz

Erstmals haben die Richter eine Verletzung der chinesischen Gesetze zum Markenschutz festgestellt, berichteten italienische Medien. Bis vor kurzem residierten die Händler auf der Straße, doch im März 2005 zogen sie mit ihrer Fälscherware in neue, überdachte Geschäfte. Die großen Luxuskonzerne hatten aber bemerkt, dass im Herzen von Peking Plagiate in großem Stil angeboten werden und starteten mit einer Gegenoffensive. Mehr als 1.000 Geschäftsleute teilen sich die 28.000 Quadratmeter des Shopping-Centers.

Handel mit Plagiaten steigt weltweit an

"Wir müssen uns gegen die zunehmende Aggressivität der Fälscher verteidigen", betonte ein Gucci-Sprecher. Der weltweite Handel mit gefälschten Marken nimmt stetig zu. Immer wieder versucht die Polizei in Peking, den illegalen Handel durch Razzien zu verhindern. Doch es ist wie ein Katz- und Mausspiel: Werden einem Händler die Plagiate abgenommen, steht an der nächsten Straßenecke schon ein Kollege bereit, der das Geschäft weiter betreibt. Es sind professionell organisierte Dealerringe, die ihre gefälschten Waren in die ganze Welt verkaufen.

Nach Schätzungen der World Customs Organization (WCO), einem internationalen Verband der Zollbehörden, macht der Handel mit Raubkopien und Markenfälschungen bereits fünf bis sieben Prozent des globalen Warenverkehrs aus. Das Geschäft der Produktpiraten wird angetrieben durch die Globalisierung. Arbeitskräfte in Billiglohnländern sorgen für den weltweiten Nachschub. Die Gewinne sind exorbitant hoch, wenn Marken-Sportschuhe beispielsweise in einer chinesischen Hinterhof-Fabrik für fünf bis sechs Dollar zusammengenäht, auf dem Schwarzmarkt in New York, London oder Bangkok aber für 60 Dollar verkauft werden.

Fälscher-Hochburg Neapel

Hochburg der Fälscher, die oft Verbindungen zur Mafia haben, ist in Europa Neapel. Nach Angaben des italienischen Markenherstellerverbands Centromarca werden nur in Südkorea und Taiwan mehr gefälschte Artikel als in Italien verkauft. Für 80 Prozent aller Industrieprodukte gibt es bereits Plagiate mit einem dem Original ähnlichen Namen. Wer in Italien auf Shopping-Tour geht, wird nicht enttäuscht: Ob Raubkopien von Videos, CDs und Computerspielen oder gefälschte Prada-Schuhe - auf den Straßen findet sich fast alles. (APA)

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    Ein Taschenmodell von Louis Vuitton

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