Geisterzüge und fehlende Stopps

2. Jänner 2007, 18:35
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Lektüre aktueller Fahrpläne von ÖBB und Verkehrsverbünden in Ostösterreich führt zu fast übersinnlichen Entdeckungen

Kursbuch ist nicht gleich Kursbuch. Das zeigt ein Vergleich der ÖBB-Fahrpläne Österreich mit dem von den Verkehrsverbünden Ost-Region sowie Niederösterreich-Burgenland herausgegebenen Band Fahrpläne 2006. Denn die Verkehrsverbünde übernehmen die Pläne ihres Partners ÖBB nicht direkt. Und da im Verbund-Kursbuch der gesamte Zuglauf nur selten angegeben ist, ergibt das kuriose Verbindungen.

So gibt es im Verbund-Fahrplan für die S 45, die Wiener Vorortelinie, in den Sommermonaten einen Zug, der von Ottakring bis Heiligenstadt ohne Halt durchfährt und sich dann quasi in Nichts auflöst. Der "Geisterzug" entpuppt sich beim Nachsehen im ÖBB-Kursbuch als "Erlebniszug Wachau", der vom Wiener Südbahnhof über Verbindungsbahn und Vorortelinie zur Franz-Josefsbahn durch die Wachau nach St. Valentin fährt.

Von vornherein an einem solchen "Geisterzug" zu zweifeln, wagt der Kundige doch nicht, immerhin verkehrt auf der Schmalspurbahn zwischen Obergrafendorf und Mank ein Regionalzug, der in allen Haltestellen stehen bleibt, jedoch nur zum Aussteigen.

"Keine Gewähr"

Mitunter hat das 1296 Seiten umfassende Heft auch etwas Rätselhaftes an sich. Etwa wenn bei der Linie Wien-Jennersdorf und retour die fettgedruckte Anmerkung "Für die Angaben dieses Fahrplans kann keine Gewähr übernommen werden" aufscheint. Die selbe Fußnote findet sich auch bei der Busverbindung Graz-Wien Westbahnhof, nicht aber für die Gegenrichtung Wien Westbahnhof-Graz. Wenn man also die Hinfahrt schafft, darf man mit einer sicheren Rückfahrt rechnen.

Für den im Vorjahr eingestellten Zugverkehr über den Gerichtsberg gab es 2005 zumindest noch Hinweise für die Anschlussbusse vom Bahnhof Weißenbach/Neuhaus im ÖBB-Kursbuch. Die fehlen heuer, im Verbund-Fahrplanheft wiederum gibt es keine Haltestelle Bahnhof Weißenbach. Das ist offensichtlich die Koordination des öffentlichen Verkehrs, von der die Politiker so oft und gerne reden. (Bernd Orfer, DER STANDARD - Printausgabe, 13. Dezember 2005)

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    foto: derstandard.at/eder
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