Was ist Icann?

24. Juli 2000, 10:17

Wer künftig die technischen Grundlagen des Internets regelt

Am Anfang, im Juni 1998, stand ein "White Paper" des US-Wirtschaftsministeriums. Darin wurde gefordert, "eine neue gemeinnützige Organisation zu gründen, um das System der Internet-Namen und -Addressen zu verwalten". Vor allem das technische "Mikro-Management" des "Domain Name Systems" (DNS) soll Icann - Internet Corporation for Assigned Names and Numbers - übernehmen. Ab Herbst wird sie die weltweite Vergabe von Internet-Adressen regeln. Ihr Sitz ist in Los Angeles.

Bisher hat ein unübersichtliches Geflecht aus privaten Firmen und staatlichen Behörden die Zuteilung geregelt. Allein in den USA gibt es rund 40 autorisierte Firmen, die bekannteste davon ist Network Solutions. In allen anderen Ländern gibt es mindestens eine Behörde oder Firma, die für die Landes-Domain zuständig ist: Für die .de-Endungen beispielsweise ist Denic zuständig. In Österreich werden die Domains von nic.at vergeben.

Die Gründung von Icann ist nicht unumstritten. Heftig kritisiert wurde vor allem, dass die Internet-Nutzer weltweit nicht an der Entscheidung über die neue "Internet-Regierung" beteiligt waren. Weiterhin ist vieles unklar: Wer wird für Icann bezahlen? Welche Rechte hat Icann? Wessen Interessen vertritt Icann?

Der Vorstand wird ab September aus 19 Mitgliedern bestehen. Neun davon werden von der Internet-Öffentlichkeit gewählt, neun werden von drei amerikanischen Organisationen bestimmt. Das neunzehnte Mitglied ist der Präsident. Den Posten hat im Moment Esther Dyson inne, die Herausgeberin des bekannten IT-Newsletters Release 0.1.

Share if you care.