Dänemark stellt Rolle des Europäischen Gerichtshofes in Frage

Redaktion, 12. Jänner 2006 17:26

Rasmussen: "Werfe ein kritisches Auge auf den Gerichtshof" - Kopenhagen mit Urteilen im Umweltbereich unzufrieden

Kopenhagen - Dänemark hat sich der Kritik der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft am Europäischen Gerichtshof angeschlossen. Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen erklärte am Mittwoch in Kopenhagen: "Ich werfe ein kritisches Auge auf den Gerichtshof." Auch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) hatte bei der Vorstellung seines Programms für die EU-Ratspräsidentschaft in der ersten Jahreshälfte erklärt, man müsse die Rolle und Funktionsweise des Europäischen Gerichtshofes überdenken.

Einbeziehung des Gerichtshofes

Rasmussen meinte dazu: "Wir haben wohl alle leicht das Gefühl, das dort hin und wieder Entscheidungen getroffen werden, bei denen die Grundlagen der Urteile nicht ganz mit dem übereinstimmen, was wir als politische Grundlage für die Entwicklung der EU aufgefasst haben." Der rechtsliberale Regierungschef wollte keine Beispiele nennen. Konkret sprach er sich für die Einbeziehung des Gerichtshofes in die bevorstehende Debatte über vorerst auf Eis gelegte die neue EU-Verfassung aus.

Entscheidungsbefugnisse verlagert

Auch die oppositionellen Sozialdemokraten in Dänemark hatten in der Vergangenheit mehrfach kritisiert, dass der EU-Gerichtshof etwa bei Umweltverfahren Entscheidungsbefugnisse von der nationalen auf die EU-Ebene verlagert hatte. Bei einem informellen EU-Justizministertreffen am Freitag in Wien sollen die Konsequenzen eines umstrittenen Urteils aus dem vergangenen Jahr diskutiert werden. (APA/dpa)

Poldi Fesch
11.01.2006 17:16
ja, ja, das unabhaengige Gericht,

der natuerliche Feind aller Verwalter

byron sully
11.01.2006 18:29
ich bin wahrlich kein freund schüssels

oder der oft bedenklichen haltung von schwarz(blau)orange gegenüber dem unabhängigen justizwesen. aber am eugh hab auch ich so manches auszusetzen (nicht so sehr an der arbeit der richterInnen, sondern an den befugnissen, die die politik dem eugh gibt - etwa, daß anscheinend jegliche entscheidung die freiheit der wirtschaft über alles andere stellen muß...)

Poldi Fesch
11.01.2006 19:53
aeh, ja-nein-aber

die Politik konnte sich bislang auf keine anderen Rechtsgrundlagen einigen. Der EuGH hat nicht viel mehr als die beruehmten Grundfreiheiten, auf denen er aufbauen kann. In Wirklichkeit tut er ja nicht viel anderes, als selbsteherrlich, die Parlamente ausgeschalten habende, regierende Politiker ein biszchen einzubremsen. Um beim Unibeispiel zu bleiben, es ist nicht Schuld des EuGH das es soetwas wie einen innereuropaeischen Finanzausgleich in bildungssachen nicht gibt, was sollte er tun ? Detto Natuschuzt, weisz, rein rechtlich, kein Mensch was das sein soll. Und solange sich die pol. Kaste Europas nicht darauf einigen kann, den gesamten Grundrechtsschutz Straszburg zu ueberantworten moechte ich den EuGH nicht beschraenkt sehen.

dr. henry metzger
11.01.2006 18:59

sie glauben aber doch wohl nicht, dass eine rechtsliberal-konservativ gesteuerte reform des eugh daran was ändern würde?

byron sully
11.01.2006 21:01
das hab ich auch nicht behauptet,

ich hab nur gemeint, daß eine grundsätzliche kritik am wesen des eugh (ob von links oder von rechts) nichts verwerfliches ist, da der eugh von seiner aufgabenstellung her mit einem nationalen höchstgericht nur bedingt vergleichbar ist...

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