Wie wird man untauglich?

von Redaktion  |  17. Jänner 2006, 15:50
  • Artikelbild

Es antwortet: Peter Zickenrott, mit dessen Hilfe sich Wehrdienst wie Zivildienst "in jedem Fall vermeiden" lassen

derStandard.at: Sie bieten über www.ausmusterung.com auch für österreichische Kunden einen Service an, mit dem Sie Wehrdienstpflichtige dabei helfen, "ihre Untauglichkeit zu erkennen". Wie funktioniert das?

Zickenrott: Natürlich gehen wir grundsätzlich davon aus, dass jeder der sich an uns wendet, untauglich ist. Dann werden die "erkannten" Krankheiten bzw. Symptome bei diversen Arztbesuchen zur Sprache gebracht, behandelt und per Attest oder Gutachten bescheinigt und anschließend bei der Stellung oder Nachstellung (Nachmusterung) vorgelegt.

Wir arbeiten ausschließlich mit Erkrankungen oder Störungen aus dem seelischen Bereich, so dass die für die Ableistung des Militärdienstes notwendige seelische Belastbarkeit nicht gegeben ist oder der Betroffene aufgrund seiner Erkrankungen oder Störungen nicht in der Lage ist, mit anderen zusammen in militärischer Gemeinschaft zusammenzuleben.

derStandard.at: Was kostet Ihre Beratung?

Zickenrott: Die komplette Dienstleistung, die aus dem Buch "Anti-Wehrdienst-Report", unbegrenzt vielen Beratungsgesprächen sowie dem Briefmusterservice für evtl. anfallenden Schriftverkehr mit den Behörden besteht, kostet 280 Euro.

derStandard.at: Warum bieten Sie die "Ausmusterung" an?

Zickenrott: Weil meiner Meinung nach jedem Menschen ein Mittel an die Hand gegeben werden muss, sich dem "Wahnsinn Militär" individuell zu entziehen. Nicht von jedem kann erwartet werden, dass er bereit ist, die rechtlichen Konsequenzen einer Totalverweigerung zu tragen. Kriege sind nur möglich, weil junge Männer der militärischen Manipulation ausgesetzt und zu Befehlsempfängern gemacht werden. Jedem von ihnen wird eingeredet, dass nur er für "die gerechte Sache" kämpft, egal auf welcher Seite er steht.

derStandard.at: Ist Ihr Service legal?

Zickenrott: Wäre er es nicht, könnte ich Ihn kaum seit nunmehr 16 Jahren erfolgreich anbieten.

derStandard.at: Wieviele Kunden haben bzw. hatten Sie aus Österreich?

Zickenrott: Noch zu wenig, einige Hundert vielleicht. Meine Dienstleistung ist in Österreich leider noch nicht so bekannt wie hier in Deutschland.

derStandard.at: Wie hoch ist die Erfolgsquote?

Zickenrott: Definitiv 100 Prozent. Wer sich von mir helfen lässt, leistet keinen Militär- oder Zivildienst. Wenn er erst als bereits Dienstleistender zu mir kommt, beendet er seinen Dienst innerhalb kürzester Zeit.

derStandard.at: Können Sie uns Fallbeispiele aus Österreich nennen?

Zickenrott: Natürlich. So gibt es beispielsweise einen jungen Mann, der nach der Lektüre meines Buches feststellte, dass er an einer bestimmten Parasomnie leidet. Bei der Stellung legte er das fachärztliche Attest vor und berichtete über seine nächtlichen Schreiattacken und auch darüber, in wie weit er damit sozial gehandicapt ist (Kein Campingurlaub mit Freunden möglich, etc.). Er wurde zunächst für ein Jahr zurückgestellt und dann bei der Nachuntersuchung ganz ausgemustert.

derStandard.at: Was sind die häufigsten Krankheitsursachen, die Sie Ihren Kunden empfehlen, um nicht beim Bundesheer antreten zu müssen?

Zickenrott: Nochmals: Ich "empfehle" keine Krankheitsursachen. Meine Kunden stellen bei der Lektüre meines Buches - welches so geschrieben ist, dass sich jeder irgendwo darin wiederfindet - fest, wie krank sie tatsächlich sind, auch wenn sie dies möglicherweise bislang noch nicht gemerkt hatten. Dabei handelt es sich immer um seelische Krankheiten oder Störungen. Die Bandbreite ist riesig. Depressionen, diverse Ängste, Zwangsstörungen, Borderlinesyndrom, Parasomnien, sexuelle Deviationen usw. Jedenfalls immer Erkrankungen ohne sogenannte "objektive Befunde" wie z.B. Röntgenbilder.

derStandard.at: Hatten Sie schon Probleme mit dem österreichischen bzw. deutschen Heer, die sich über Ihren Service beschwert haben?

Zickenrott: Mit den österreichischen Behörden noch nicht, mit den deutschen zur Genüge. Es ist aber auch kein Wunder, dass das Verteidigungsministerium sauer auf mich ist. Strafrechtlich konnte man mir bislang nichts anhaben und auch der Bundestag hat sich im Rahmen einer parlamentarischen Anfrage mit meiner Arbeit befasst und festgestellt: Dem Zickenrott können wir mit den Mitteln des Strafrechtes nicht beikommen.

Peter Zickenrott ist Ausmusterungs
spezialist mit Operationsbasis Waldshut in Deutschland. Er bietet auf www.ausmusterung.
com
Beratung an.

Die Fragen stellte Rainer Schüller

Sie haben eine Einserfrage? Dann her damit, wir suchen für Sie ExpertInnen, die diese beantworten können.

Nachlese

Alle bisherigen Einserfragen

druckenweitersagen:
posten
»Posting 1 bis 25 von 374
1 2 3 4 5 6 7 8
Thomas Wetschnig   
16.01.2006 18:02
fEin Glück ist es, ..............

.......... daß wir heute in Europa die Niederlassungsfreiheit und den offenen Arbeitsmarkt haben. Ich kann allen jungen Männern nur raten, so schnell wie möglich abzuhauen, bevor die Euch erwischen können. Es gibt genug schöne Gegenden in Europa, wo es außerdem viel weniger als 7 Monate im Jahr kalt ist.

MarioV  
21.01.2006 09:09

Siehst Du. Und Du willst das genau jene Leute die verantwortlich sind für den Sklavendienst die Macht erhalten über Kriegseinsatz österreichischer Bürger zu entscheiden, denn genau diese Macht erhalten sie wenn man das Bürgerrecht Neutralität aufgibt.

Thomas Wetschnig   
21.01.2006 11:41
Da hat jemand nicht migekriegt ................

.......... daß in Italien, Spanien, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, Polen, Tschechien, Ungarn, Slowenien - allesamt NATO Mitglieder die Wehrpflicht bereits abgeschafft wurde. Aber den jungen Österreichern soll weiterhin der zwangsweise Sklavendienst als "Bürgerrecht" verkauft werden. Wer die Welt nur durch die schwarz-weiß Brille betrachten kann, sollte sich besser eines jeden Kommentares enthalten.

MarioV  
21.01.2006 14:06

Großbritannien hat ähnlich wie die USA massive Rekrutierungsprobleme. Daher wird auch dort die Diskussion über Wiedereinführung des Zwangsdienstes kommen. Und dann kann es wirklich gefährlich werden wenn die Zwangsverpflichteten z.B. in den Irak müssen.
Oder glaubst Du was wir für alle Zeiten davor gefeit sind das sich etwas Vietnam-ähnliches wiederholt?

MarioV  
21.01.2006 14:00
Ich bin klar gegen den Zwangsdienst - und klar für das Bürgerrecht Neutralität

NIEMAND hindert die Regierung daran den Zwangsdienst abzuschaffen, am wenigsten die Neutralität. Fast alle NATO-Staaten hatten früher den Zwangsdienst. Und in Deutschland wird der Zwangsdienst sogar mit der NATO-Mitgliedschaft begründet. Es ist eine reine innenpolitische Frage.
Ich habe die zwangsdienstunabhängige Neutralität als Bürgerrecht bezeichnet, ich habe als Beispiel den Irak-Krieg angeführt. In diesem waren die jungen Österreicher geschützt während die Bürger Deutschlands vom Wohlwollen ihrer Regierung abhängig waren. Mit einfacher Parlamentsmehrheit hätten sie Menschen in den Kriegseinsatz schicken können. Davor sind wir in Ö gefeit.
Statt Satzverdrehungsspielchen zu spielen solltest Du mal darauf antworten.

Thomas Wetschnig   
21.01.2006 17:20
In Deutschland ...............

............. in den alten Bundesländern ist seit 1945 niemand zwangsweise in einen Krieg geschickt worden. Anders verhielt es sich nur in den neuen Bundesländern, wo 1968 Rekruten in Prag einmarschierten, aber dort gab es zum damlaigen Zeitpunkt auch keine Demokratie.

MarioV  
21.01.2006 17:27

Verstehe den Sinn der Aussage mit den alten Bundesländern nicht ganz.
Auch westliche Staaten haben ihre Bürger in Kriege geschickt(Vietnam, Algerien)
Die Welt hat sich stark verändert, es drohen wieder neue Kriege. Und in D haben viele Unteroffiziere und Reservisten zur Zeit des Afghanistan-Einsatzen auf einmal Rechtsberatung bei der Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär (www.kampagne.de) gesucht.

Thomas Wetschnig   
21.01.2006 18:44
Es ist nur eine Frage der Zeeit ...........

............ bis auch in Deutschland die Wehrpflicht fällt. Und Österreich wird dann wieder einmal das Schlusslicht sein.

MarioV  
21.01.2006 19:24

Was die Zukunft bringt, weiß ich nicht.
Klar ist:Die Abschaffung des Zwangsdienstes ist nicht irreversibel. In vielen Ländern wurde sie auch gar nicht abgeschafft, sondern nur ausgesetzt.

Gosp der Weise 
15.01.2006 07:59

Solange es im Parlament Leute gibt die nicht bereit sind sich den Wehrdienst anzutun (dazu gehören alle Frauen) kann man den Leuten keinen moralischen Vorwurf machen.

300 PS
15.01.2006 23:32

Solange im Parlament Leute erkannt haben, dass Wehrdienst überholt ist und selbst die menschenrechtsunkritische USA keinen solchen kennt, finde ich es verantwortungslos diese Altlast weiterlaufen zu lassen. Wehrdienst muss in jedem zivilisierten Land abgeschafft werden.

Yossarian
17.01.2006 11:45
Die USA haben nach wie vor die Wehrpflicht

es wird zur Zeit nur niemand einberufen (draft). Aber jeder Mann muß so eine Art Musterung/Registrierung machen.

MarioV  
19.01.2006 10:21

Die Registrierungspflicht (unter 25jährige Männer müssen ihren Wohnort melden) hat den Hintergrund das es in den USA keine generelle Meldepflicht gibt. Durch die Registrierung in Friedenszeiten soll die Wiedereinführung der Wehrpflicht erleichtert werden.
Der Chef der Behörde und einige Politiker fordern diese Pflicht auch auf junge Frauen auszuweiten.
Was aber nicht möglich ist ohne den Verdacht zu erwecken das ein neuer Wehrdienst geplant ist.

Mostbluzer 
16.01.2006 14:50
wehrdienst

die alternativen sind aber nur berufsheer (mit allen vor- und nachteilen) oder abschaffung (nur mit nachteilen) ...

die usa haben eine quasi-wehrpflicht eingeführt, aber auf umwegen. wenn du als montana-hinterwäldler in der nationalgarde dienst, bist schwuppiwupp am golf. dass du als gi glaubst nach deiner pflichtzeit heimzufahren, kannst du dir auch abschminken, ratzfatz noch halbes jahr drauf.
den rest besorgt das soziale, für über 10.000 dollar handgeld gehen viele "freiwillig" (aber bei dem menschenverschleiss) nicht genug ...

smea_gol
16.01.2006 16:25

was hat bitte abschaffung für einen großen nachteil.
vielleicht daß man das budget in einen bewaffneten pionier und hilfsdiensttrupp investieren kann, ohne "militärische" kompetenz.
Schon mal in einer Kaserne 2 Monate nach dienstantritt einer neuen schar rekruten gewesen? Die lernen beim Heer nur zwei dinge: erstens: bundesheer ist sch...
zweitens: wie sauf i richtig?
andererseits: dann hats einen wirtschaftlichen nachteil, ... der staat lebt ja auch von der getränkesteuer.

MarioV  
16.01.2006 12:18

In Amerika geht das nicht mehr. Wegen des Vietnam-Traumas ist das nicht durchsetzbar, solange diese Generation nicht abgetreten ist.
Den Versuch der Wiedereinführung wird es aber wahrscheinlich geben, allerdings ohne Erfolgsaussicht.

Militärstrategen arbeiten ja schon an Modellen.
Möglich wäre ein Pflichtjahr (Militär oder ziviler Ersatzdienst)
Oder die Einberufung von Leuten mit speziellen Kenntnissen(Fremdsprachen,Krankenschwester,Techniker)
Zweiteres wäre möglicherweise sogar durchsetzbar.

smea_gol
16.01.2006 16:26

a. wer will es,
b. wer braucht es?
c. pazifismus wäre mal dran in mode zu kommen.

Mostbluzer 
16.01.2006 16:49
pazifismus, ja aber

nur wenn 100% der weltbevölkerung bzw. der herrschenden für die nächsten 100 jahre mit garantie mitspielen.

wenn ein ungustl dabei ist, schaut man blöd aus der wäsche ...

wer will und braucht versicherungen oder die feuerwehr eigentlich?

angelo6 
15.01.2006 07:25
Schüssel fragen

Beim Bundsheer untauglich als Bundeskanzler geeignnet. Umgekehrt wäre es für das Land besser gewesen.

smea_gol
16.01.2006 16:27

fürchte so sehr ich schüssel verabscheu, daß das leider nicht stimmt, der mann hat meines wissens militär oder zivildienst gemacht...

angelo6 
16.01.2006 18:11
bin sehr sicher dass Schüssel nicht war

Siehe dazu auch Beitrag von "Volkes Stimme".

Wilhelm Steinitz 
14.01.2006 18:53
Ich frage mich ja immer noch,

warum man die Leute bei der Stellung fragt, ob sie "homoerotische Neigungen" haben - untauglich wird man dadurch, soweit ich weiß, ja nicht, also was gehts die Leute beim Bundesheer an?!

Volkes Stimme 
13.01.2006 06:35
Spielzeug der Generalität?

Flieger, Kanonen und deren Futter.

Von Patriotismus halte ich nichts, weil der "Staat" oft gar nicht erwünscht ist, wenn ich an den Osten denke!

Zwangsweise Beglückung ist sehr Frackwürdig - Schüssel war ned und viele andre konnten einen Zivilen Vorsprung erheischen, natürlich nur zum Wohle aller.

Denkt mit, aber bleibt so lustig.
*War eigentlich Cap?

Big Four 
12.01.2006 15:08
Volkswirtschaftlicher Wahnsinn

Folgendes Persoentliches Beispiel: Bin Auslandsoesterreicher, um die 30, verheiratet und hab bis jetzt weder BH noch Zivildienst geleistet. Bin gerade dabei mich beruflich zuveraendern und hab konkret Jobangebote aus Kuala Lumpur und aus Oesterreich. Beide Jobangebote sind mit deutlich 6 stelligen EURO Jahresgehaeltern dotiert. Nehme ich das Jobangebot aus Oesterreich an und werde einberufen, so entstehen dem OE Staat dadurch direkte monatliche Kosten von ca 2.500 EURO! - 50 % von 4.327 (Hoechstbemessungsgrundlage) fuer Familienunterhalt+ Sold + Wohnkostenzuss.
Dafuer, dass ich in einer Schreibstube sitze -bin aufgrund von Sportverletzungen nur bedingt tauglich-und Papier hin und her schiebe? Das ist fuer beide Seiten ein Verlustgeschaeft!

Rinus Michels 
13.01.2006 13:46
keine angst!

so teure leute holt das heer nicht mehr.
gratuliere, gscheid gemacht.

posten
»Posting 1 bis 25 von 374

Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.