Erste wälzt weitere Expansionspläne

30. März 2006, 13:54
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Auch nach der Rekord-Kapitalerhöhung will Erste-Chef Treichl expandieren, zunächst aber schaumgebremst. Die Aktionärsstruktur soll in etwa gleich bleiben

Wien – Der Chef der Erste Bank, Andreas Teichl, hat mit dem Kauf von rund 62 Prozent der größten rumänischen Bank, der Banka Comerciala Romana (BCR) eine kleine winterliche Rekordlawine ausgelöst. Um den Kaufpreis in der Höhe von 3,75 Mrd. Euro (größtes Investment der österreichischen Wirtschaftsgeschichte) finanzieren zu können, holt sich das Spitzeninstitut der Sparkassen ab Mittwoch frisches Kapital von der Börse. Wie berichtet, soll der Verkauf von bis zu 60 Millionen neuer Aktien bis zu drei Mrd. Euro in die Kassen spülen – die größte Kapitalerhöhung, die die Wiener Börse je gesehen hat.

Zum Vergleich: Die bisher größte Transaktion hat im vorigen Jahr die Raiffeisen International AG gelandet, die Ost-Bankenholding von Raiffeisen. Sie hat sich bei ihrem Börsengang im vorigen April 1,11 Mrd. Euro abgeholt. Das Kapitalmarktklima war günstig: Die Emission war 22fach überzeichnet.

Dass auch die fast drei Mal so große Transaktion der Erste Bank unter einem guten Stern stehen wird, davon zeigte sich Bankchef Andreas Treichl, am Dienstag im Gespräch mit Journalisten überzeugt: "Natürlich gibt es immer das Marktrisiko, aber wir hoffen doch sehr, dass alles klappt."

"Eine riesige Sache"

Kapitalmarktanalysten geben ihm aus jetziger Sicht Recht: "Die Entwicklung der Erste-Bank-Aktie in den vergangenen Wochen, seit der BCR-Preis und das Ausmaß der Kapitalerhöhung absehbar waren, lässt uns davon ausgehen, dass die Kapitalerhöhung unterzubringen sein wird – obwohl sie ohne Frage eine riesige Sache ist", meint etwa Bankenanalystin Claudia Vince-Bsteh von der Raiffeisen Centrobank (RCB). Ein weiterer Anhaltspunkt für ihre These: Während der Aktienkurs der portugiesischen Bank Millennium BCP (sie war mit der Ersten im Endspurt um die BCR) "ziemlich unter Druck geraten ist", sei das beim Erste-Papier nicht der Fall gewesen, "die Aktie steigt seit Ende Oktober des Vorjahres."

Besagte Portugiesen haben übrigens nur einen Hauch weniger geboten als die Wiener Sieger, sie haben sich laut Treichl als "extrem sportliche Verlierer erwiesen".

Der expansionslustige Gewinner beschäftigt sich unterdessen mit der nahe liegenden Frage, wie es mit der Erste Bank nach dem erhofften Geldregen weitergehen soll. Das auf das Retail-Geschäft fokussierte Institut habe sein Geschäft mit dem Einstieg in Rumänien "vom Bodensee bis zum Schwarzen Meer ausgeweitet. Wir sind Marktführer in Tschechien, der Slowakei und jetzt Rumänien." Die "Wachstumsstory der Erste Bank" sei mit dem BCR-Kauf für die nächsten fünfzehn, zwanzig Jahre abgesichert; Treichl peilt aber letztlich die Totalübernahme der Bank an: "Jetzt warten wir einmal ein bisserl, aber es ist wahrscheinlich, dass das passieren wird", sagte er. Derzeit halten Fonds rund 30 Prozent an der BCR; ihnen habe man einen Ausstieg via Börsengang der BCR in den kommenden drei Jahren in Aussicht gestellt.

Offene Grenzbalken

Die Grenzbalken dürften aber noch lange nicht gefallen sein. Nach der jetzigen Transaktion werde man immer noch rund eine Mrd. Euro für die Expansion zur Verfügung haben, ohne wieder frisches Kapital holen zu müssen, meinte Treichl. Umfangreichere Shopping-Touren stünden derzeit aber nicht an: "Wenn etwa die polnischen Sparkassen jetzt auf den Markt kämen, könnten wir leider nicht kaufen." Den einen oder anderen kleineren Einkauf schließt der Banker nicht aus, besonders die Märkte Ukraine und Ungarn würden ihn reizen.

"Im Wesentlichen unverändert" bleiben soll die Eigentümerstruktur der Erste Bank. Neben den Sparkassen (sie halten derzeit sieben Prozent) will auch die mit 32,2 Prozent größte Aktionärin, die Spar-Casse Privatstiftung, mitziehen. Sie muss dafür sehr sehr tief in die Tasche greifen und sich erheblich verschulden: Um nicht unter 30 Prozent zu fallen, muss sie zwischen 650 Mio. und 700 Mio. Euro locker machen. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.1.2006)

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    Erste-Boss Treichl startet die größte Kapitalerhöhung, die die Wiener Börse je gesehen hat.

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