Auf den Spuren der Identität für "Linz 09"

23. Oktober 2007, 11:59
3 Postings

Martin Hellers optimistische Pläne - Laufende Diskussionen sieht er als Beweis dafür, "dass die Kulturhauptstadt bereits begonnen hat"

Linz - 131 Tage als Schwamm - Martin Heller hat Linz aufgesogen. So beschreibt der Intendant der europäischen Kulturhauptstadt Linz 2009 seine erste Arbeitsperiode. Jetzt, wo alle Poren mit Eindrücken vollgesaugt sind, konnte der gebürtige Schweizer eine erste Analyse abgeben - ein Programm für 2009 kündigte er für Ende des Jahres an.

Der "Vorteil der Stadt" aus seiner Sicht: Linz sei sowohl Industrie- als auch Kulturstadt; ein Faktum, das in den Köpfen erst noch verankert werden müsse. Kämpft Linz doch seit Jahren um eine Imagekorrektur: Weg von der Industrie hin zur Kultur. Die vergangenen Monate haben jedoch gezeigt, dass dieser Weg schwer zu gehen ist. Das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat die oberösterreichische Landeshauptstadt durch den Dreck gezogen, profil folgte mit einer nicht weniger uncharmanten Außenansicht.

Zündstoff: Neue Oper

"So etwas ärgert mich nicht", meint Heller. Für seine Arbeit als Intendant bedeutet dies jedoch, dass nur in der Konstellation Industrie und Kultur die Erfolgsgeschichte für 2009 stecke. "Im Gegensatz zu anderen europäischen Städten kann Linz auf eine saubere, hochmoderne Industrie zählen und präsentiert sich zugleich in etlichen Kultursparten als Trendsetter." Doch diese Trendsetter sorgten in jüngster Zeit für politischen Zündstoff. Das Lentos, Museum für zeitgenössische Kunst, bringt nicht die erwarteten Besucherzahlen, weshalb ein neues Konzept erstellt werden muss. Der Ausbau des Ars Electronica Centers an der Donau könnte an der neuen oberösterreichischen Bauordnung scheitern. Und der Dauerbrenner "Neubau des Musiktheaters" konnte auch noch nicht gelöscht werden. Die Jury vertagte im Dezember die Entscheidung über das Siegerprojekt des Architektenwettbewerbes auf März dieses Jahres. Die Konsequenz: Das Opernhaus wird 2009 nicht fertig.

Spiel auf Baustelle

"Dann wird auf der Baustelle gespielt", windet sich Heller um eine persönliche Stellungnahme. Die laufenden Diskussionen sieht er als Beweis dafür, "dass die Kulturhauptstadt bereits begonnen hat, denn Kultur ist zum Thema geworden". Allerdings vermisse er noch die Selbstverständlichkeit, sich auch als solche zu präsentieren. Linz sei 2009 "Gastgeberin Europas und tritt damit in einen Wettbewerb auf höchster Ebene, der der Stadt ein Stück neue Identität und neue Perspektiven zu geben vermag".

Eine Herausforderung, die laut einer Umfrage des Market-Institutes, die Bevölkerung auch begrüßt. 91 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Wahl zur europäischen Kulturhauptstadt "sehr gut" bzw. "gut" ist. 31 Prozent rechnen mit einer Ankurbelung des Tourismus, 26 Prozent mit einem Anstieg des Bekanntheitsgrades in Europa und elf Prozent mit einer Zunahme der kulturellen Veranstaltungen. (ker/DER STANDARD, Printausgabe, 10.1.2006)

  • Sieht Linz als hochmoderne Industriestadt und auch als Trendsetter im Kulturbereich - der optimistische Kulturhauptstadt-Intendant Martin Heller.
    foto: linz09

    Sieht Linz als hochmoderne Industriestadt und auch als Trendsetter im Kulturbereich - der optimistische Kulturhauptstadt-Intendant Martin Heller.

Share if you care.