Peking rüstet massiv auf: Konfliktpotential beträchtlich

8. März 2006, 13:34
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Streitkräfte umfassen 2,3 Millionen Soldaten - Militärbudget ständig erhöht - USA werden von China als Hauptfeind betrachtet

Peking - Die chinesischen Streitkräfte umfassen derzeit 2,3 Millionen Soldaten, nachdem sie in den vergangenen drei Jahren planmäßig um 200.000 verkleinert worden sind, wie das Pekinger Armeeorgan "Jiefangjun Bao" am Montag berichtete. Das Militärbudget wurde in den vergangenen 15 Jahren im Durchschnitt um zehn Prozent pro Jahr erhöht, im vergangenen Jahr hat die Erhöhung 12,5 Prozent betragen.

"Hüterin der nationalen Einheit"

Vor dem Hintergrund ethnischer und religiöser Unruhen in den westlichen Randgebieten Chinas hat die Rolle der Armee als "Hüterin der nationalen Einheit", die alle Zerfallserscheinungen wirkungsvoll bekämpfen soll, zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Nicht nur der Schutz der Staatsgrenzen sei Aufgabe der Streitkräfte, sondern auch die Aufrechterhaltung der Gesellschaftsordnung, hat die KP-Führung betont.

Umfassendes Aufrüstungsprogramm: Nachbarn fühlen sich bedroht

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Chinas sind die Voraussetzungen für ein umfassendes Aufrüstungsprogramm verbunden. Die Modernisierung der chinesischen Streitkräfte hat in ganz Asien zu einem Rüstungswettlauf geführt. Vor allem die südostasiatischen Länder fühlen sich bedroht. Der Streit um die Abgrenzung der Territorialgewässer und die Nutzungsrechte der maritimen Bodenschätze hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verschärft. Das Konfliktpotenzial ist angesichts der wirtschaftlichen Aspekte beträchtlich.

USA als Hauptfeind, "Optionen" gegen Taiwan und Vietnam

Chinas Spitzenmilitärs sehen nach Erkenntnissen westlicher Beobachter, die interne Publikationen der "Volksbefreiungsarmee" auswerten konnten, die USA als den "Hauptfeind" an. Einblicke in Gedankengänge der chinesischen Militärführung hatte ein Band mit dem Titel "Kann China den nächsten Krieg gewinnen?" geboten, der schon kurz nach seinem Erscheinen aus dem Buchhandel verschwand. Demnach steht der chinesische Generalstab auf dem Standpunkt, dass regionale Konflikte immer härter würden. Chinas Armee müsse sich auf "regional begrenzte Kriege mit modernsten technischen Mitteln" vorbereiten. Als "Hauptgegner" wurden in dem Buch in jeweils eigenen Kapiteln die USA und Japan, Russland, Indien und Vietnam genannt, direkte militärische Konfrontationen mit den Großmächten aber ausgeschlossen. Vorstellbar bleiben nach Beurteilung des chinesischen Generalstabes "Optionen" gegen Taiwan und Vietnam. (APA)

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    Soldaten der Volksbefreiungsarmee patrollieren in der Verbotenen Stadt in Peking. China will seine Armee in den nächsten Jahren umfassend modernisieren.

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