Lebe lieber ehrlich

16. Oktober 2006, 10:57
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Wundermittel und Patentrezepte, Luxus und Sonderpreis ... Nach zu viel Trash und Fake heißt der neue Trend "Ehrlichkeit"

Es ist so weit, postuliert Trendforscher Matthias Horx im jungen neuen Jahr: Zu viel Trash und Fake haben die Illusionsblasen platzen lassen und zur Sehnsucht nach Glaubwürdigkeit geführt. Der erhoffte Halt in einfachen Lösungen geht verloren: Weder gibt es Luxus zum Sonderpreis, noch führen Wundermittel und Patentrezepte auf kürzestem Weg zum Ziel - nicht beim Abnehmen, nicht in der Karriere. Stattdessen?

"Die neue Ehrlichkeit" benennt Horx als wichtigsten Trend. Für Einzelne heißt das, auf dem etwas mühsameren Weg der Nachdenklichkeit und Ehrlichkeit seine Potenziale zu entdecken. Für Unternehmen bedeutet das, dass ihr guter Ruf, ihre Glaubwürdigkeit zentrales Element ihrer Mitarbeiter- und Kundenbeziehung geworden ist. Unehrliches, aufgesetzes Verhalten wird zunehmend angeprangert, falsche Versprechungen werden zunehmend abgestraft. Die Suche nach Wahrheit und Klarheit, nach dem "ganz Echten", dem "ganz Natürlichen" ist voll im Gange.

Sich selbst und anderen nichts vorzumachen ist damit auch ein zentraler Anspruch an das Management. Im Zuge der Ernüchterung, die mit der "neuen Ehrlichkeit" einhergeht, wo der Glaube an immer währendes Wirtschaftswachstum als Jobmaschine verloren ist, klingt es logisch, dass außer Ehrlichkeit nichts mehr abgekauft wird.

Das Verstecken hinter reschen Vorzimmerbastionen und Statusinsignien sollte damit nicht mehr funktionieren. Ehrlichkeit will auch erlebt werden. Berührbar sein. Von Mitarbeitern und Kunden. Manager können sich damit gut ausrechnen, welchen Herausforderungen sie sich in den begehrten Chefsesseln stellen müssen. (Der Standard, Printausgabe 7./8.1.2006)

Von Karin Bauer
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