Ehud Olmert

31. März 2006, 13:03
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Ariel Sharons treuester Gefolgsmann hat die Geschäfte des israelischen Premiers übernommen

Für Donnerstagvormittag war im Jerusalemer Hadassa-Spital ein kurzer Eingriff geplant, bei dem ein winziger angeborener Herzfehler Ariel Sharons repariert werden sollte - deswegen sollten die Befugnisse des Premierministers für genau drei Stunden an den vom Gesetz vorgesehenen Stellvertreter Ehud Olmert übertragen werden. Doch schon Mittwochabend machte eine massive Gehirnblutung Sharon arbeitsunfähig, und es war augenblicklich klar, dass Olmert die Geschäfte viel länger führen würde.

Gleich Donnerstagfrüh berief Olmert eine Kabinettssitzung ein, um formal die Zügel in die Hand zu nehmen. Demonstrativ setzte sich der Ersatzmann dabei nicht auf den großen Chefsessel, sondern blieb bescheiden auf seinem üblichen Platz als Finanz- und Handelsminister. "Wir alle beten für die rasche Genesung unseres Premierministers", sagte Olmert, der blass und müde aussah und mitten in der kurzen Einleitungsrede die Emotionen mit einem Schluck Wasser hinunterspülen musste. "Das ist eine schwere Situation, wie wir sie nicht gewohnt sind."

Da Olmert der Vize eines fast 78-jährigen, äußerst ungesund lebenden Mannes war, musste klar sein, dass das schwere und begehrte Amt jederzeit auf seine Schultern fallen konnte. Als automatischer Erbe galt der groß gewachsene Jurist, der trotz seiner inzwischen 60 Jahre bis zuletzt der "jungen Garde" des rechtskonservativen Likud zugerechnet wurde, aber nie, weil einfach immer zu viele Mitbewerber im Rennen waren.

In dem Städtchen Benjamina nördlich von Tel Aviv wurde Ehud Olmert in den Likud-Adel hineingeboren. Schon sein Vater war Abgeordneter, auch die drei Brüder machten Karriere auf diversen öffentlichen Posten. Schon mit 28 saß Olmert im Parlament, 1988 kam er ohne Portefeuille in die Regierung, 1990 wurde er Gesundheitsminister - er war einer der Likud-"Kronprinzen", denen dann aber der Quereinsteiger Benjamin Netanyahu den Rang ablief.

1993 riskierte er den Sprung in die Kommunalpolitik und gewann, denn als Bürgermeister von Jerusalem konnte er sich profilieren. 2003 ließ sich Olmert von Sharon zurück in die Regierung locken und wurde Handels- und Industrieminister, im letzten Sommer übernahm er von dem zurückgetretenen Netanyahu auch das Finanzressort.

Parallel zu Sharon hat Olmert in den letzten drei Jahren eine verblüffende Wandlung von einem scharfen Falken zu einem energischen Verfechter des Gaza- Abzugs durchgemacht - zuletzt galt er als Verbündeter und Sprachrohr Sharons, und es war selbstverständlich, dass Olmert dem Premier im November als Erster in dessen neue Zentrumspartei folgte.

Olmert ist mit einer populären Malerin verheiratet und Vater von vier Kindern. (DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.1.2006)

Von Ben Segenreich
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