Das Weite suchen

31. Juli 2006, 09:41
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Der Nationalpark Hohe Tauern bietet vermehrt den sanften Kontakt zum ewigen Weiß

Sich in Österreich über mangelnde Schneeflächen zu beschweren ist sicherlich verwegen, allerdings wünscht sich bisweilen gerade der verwöhnte Winterbenutzer ein wenig mehr von den Weiten Alaskas oder zumindest Skandinaviens. Dessen ist man sich im Nationalpark Hohe Tauern und in den umliegenden Gemeinden durchaus bewusst, immerhin hat man ja winters eine der größten Schneewüsten Mitteleuropas anzubieten.

Bei der Inszenierung dieser Weite war das nordamerikanische Vorbild für die Skiarena Wildkogel auf jeden Fall recht hilfreich. Der internationale Longtrail von 12.-15. Jänner, bei dem fünfzig Hundeschlittengespanne 80 Kilometer und 1300 Höhenmeter zu bewältigen haben, hat sich in seiner zehnten Auflage etabliert und zieht längst nicht nur mehr die Musher - also Schlittler - selbst an, sondern auch zahlreiche Amateure, die das zwölftägige Trainingslager gleichzeitig als Streichelzoo betrachten.

Mögliche Superlative

Das Skigebiet um den Salzburger Wildkogel ist keine ausgesprochene Event-Fabrik und wurde in den letzten Jahren noch als Geheimtipp gehandelt - eine Klassifizierung, von der man sich mittlerweile verabschieden muss: Gibt es doch mittlerweile attraktive Anreisepakete auch aus Deutschland, etwa den Express-Zug ab Hamburg mit Preisen ab 38 € pro Fahrt.

Vor allem jene Dinge, die abseits der Pisten passieren, werden von Jahr zu Jahr verstärkt ausgebaut. So ganz sicher ist man sich in Bramberg zwar nicht, ob man nun tatsächlich die längste Rodelbahn der Welt anzubieten hat, aber mit 14 Kilometern Länge, die selten unter 30 Minuten bewältigt werden können, wird dort auf jeden Fall eine lohnende Pistenalternative geboten. In Verbindung mit den Gasthäusern, die an der bis 22 Uhr beleuchteten Strecke liegen, wird die Abfahrt ohnehin meistens länger als geplant.

Gänzlich ohne motorisierte Aufstiegshilfe wollen ohnehin jene auskommen, die den Nationalpark auch im Winter als erwandernswert ansehen. Für die rund sechzig Kilometer geräumten Wanderwege reichen schon einfache Moonboots, für den wilden Rest schnallen sich mittlerweile immer mehr Menschen Schneeschuhe an. Jeden Donnerstag treffen sich kleine Gruppen bis maximal 20 Personen am Sportplatz in Neukirchen (und jeden Freitag in Uttendorf), um mit einem Ranger des Nationalparks zu einer rund fünfstündigen Tour aufzubrechen. Wer es einmal ausprobiert hat, will meistens mehr und wer schon das Fehlen von Weite reklamiert, sollte besser ganze zwei Tage aufbrechen - ideal dafür ist etwa die Tour ins Krimmler Achental mit Übernachtung im Tauernhaus. Um 98 € für beide Tage sind dann auch die Ausrüstung, die Halbpension und ein geprüfter Bergführer mit von der Partie.

Gehen und Gadgets

Dass Skitouren durch den Nationalpark besonders lohnend sind, vermittelt die Bergführervereinigung im Oberpinzgau auch gerne Anfängern. Ziele wie Gernkogel oder Steinkogel, die jeden Montag und Samstag angepeilt werden, erfordern selten mehr als zwei Stunden Gehzeit. Die Führungen kommen ab vier Personen zustande und kosten dann 38 € pro Person inklusive Schulung und Leihausrüstung - Ganztagestouren zu entfernteren Zielen, wobei je nach Witterung auch der Gletscher überquert wird, sind mit 55 € pro Person veranschlagt.

Wer sich dennoch auf den Pisten des Wildkogels sicherer fühlt, wird am Ende der Saison von 11. 3. bis 8. 4. nicht nur bereits mit kräftiger Frühlingssonne belohnt, sondern auch mit Bonustagen. Sieben Nächtigungen in der Nebensaison inklusive eines Sechs-Tage-Skipasses sind dann je nach gebuchter Kategorie und gewählter Verpflegung ab 306 €zu haben und zusätzlich darf man in der sommerlichen bzw. herbstlichen Nebensaison drei Tage Aufenthalt kostenlos anhängen. Als Alternative zum Zusatzurlaub gibt es auch die Möglichkeit, kostenlos einen Schnellkurs im Skifahren, Snowboarden oder Snowbiken zu belegen. (saum, Der Standard, Printausgabe 7./8.1.2005)

  • Die Skitour auf das Schwerteck im Kärntner Teil des Nationalparks gehört zu den einsamsten Routen in den Hohen Tauern
    foto: npht kärnten/mussnig

    Die Skitour auf das Schwerteck im Kärntner Teil des Nationalparks gehört zu den einsamsten Routen in den Hohen Tauern

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