Modemetropole Berlin

9. März 2006, 13:32
posten

Die deutsche Hauptstadt wird immer mehr zum Zentrum für junge, unkonventionelle Mode

Wer in Europa an Mode denkt, dem fällt vor allem Paris oder Mailand ein. Erst seit einigen Jahren feilt Berlin an einem Image als Modemetropole. Im Westteil der Stadt, dem lange verstaubten Kurfürstendamm, siedeln sich immer mehr internationale Designer an, neben Chanel und Cartier inzwischen auch Valentino und Gucci. Im Ostteil der Stadt etabliert sich die junge, unkonventionelle Szene. Eine Vielzahl von Modemessen wie Bread & Butter, B-in-Berlin oder Premium verstehen sich als Schaufenster für die Mode der Zukunft - von Streetwear bis Haute Couture.

"In der Modewelt hat sich Berlin in Europa als dritte Kraft neben Paris und Mailand etabliert, besonders wenn es um junge Kollektionen geht", meint der Geschäftsführer von MB Capital Fashion Berlin, Gerald Beck. Es gebe viele Anzeichen dafür, dass Berlin "wie Phoenix aus der Asche als Modestadt entsteht", sagte Modemessen-Spezialist Beck. Er verwies auf die zahlreichen Modemessen und die Tatsache, dass immer mehr Unternehmen ihre Vertriebszentralen mit Showrooms nach Berlin verlegen.

Fragt man die Berliner selber, so glauben laut einer forsa-Umfrage nur 40 Prozent, dass ihre Stadt als Modezentrum im In- und Ausland wahrgenommen wird; 53 Prozent sind davon nicht überzeugt. In Deutschland gilt immer noch Düsseldorf als Fashion-Metropole. Es sei aber falsch, einen Wettbewerb zwischen beiden Städten anzuzetteln, warnt Beck. Düsseldorf sei ein wichtiger Orderstandort für Nordrhein-Westfalen, Deutschland und die Niederlande, während Berlin eher einen internationalen Charakter entwickele. Dabei sei das Ausland "elektrisiert" von Berlin als Modestadt, das Inland verhalte sich reservierter.

Die Zahlen in Berlin sprechen eine eigene Sprache. Dem Senat zufolge haben sich in der deutschen Hauptstadt rund 350 vorwiegend junge Designer niedergelassen, deren Spektrum von hochpreisiger Couture in Einzelstücken über Kleinserien und Konfektionen bis hin zur Urban- und Streetwearszene reicht. Verwiesen wird auf zahlreiche Designshops, Flagship-Stores und Niederlassungen internationaler Firmen rund um den Kudamm. Den Gesamtjahresumsatz der Modebranche beziffert der Senat für 2004 auf 94,5 Millionen Euro.

Darüber hinaus sind sieben Modeschulen in Berlin ansässig. Im Jänner präsentierte sich auf acht verschiedenen Messen alles, was Rang und Namen hat oder noch erwerben will. Im Dezember lief der salesroom vers.03, der in "Shop- und Chill-Ambiente" die Entwürfe von 35 Berliner Labels präsentiert. Die neue B-in-Berlin ist für den 29. bis 31. Jänner geplant. Sie will laut eigener Ankündigung den Schwerpunkt auf den internationalen Handel legen. "Berlin setzt sich als Trendgeber durch", meint der Senat.

Die Stadt kann nach Ansicht von Beck wenig tun, um den Aufwärtstrend zu unterstützen. "Die Politik sollte sich aus der Mode heraushalten", sagt er. Vielmehr sei als Standortfaktor wichtig, dass die Lebenshaltungskosten niedrig sind. Berlin, so sagt Beck, ist diejenige Modestadt weltweit, in der man am billigsten leben kann. Dies ziehe junges, kreatives Potenzial an. Die UNESCO nimmt Berlin ins "globale Netzwerk der kreativen Städte" auf. Im Jänner erhält die Bundeshauptstadt offiziell den Titel "Stadt des Designs".

Dass Berlin modisch mithalten kann, zeigt sich auch auf dem politischen Parkett. Die "Mode der Macht", wie der "Spiegel" schrieb, schneidert die Designerin Anna von Griesheim im Stadtteil Wilmersdorf. Zu ihren Kundinnen gehören neben den Talk-Masterinnen Sabine Christiansen, Maybrit Illner und Sandra Maischberger die ehemalige Verbraucherministerin Renate Künast und nicht zuletzt Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Business-Mode für Politikerinnen und Moderatorinnen muss nicht nur gut aussehen, sondern auch kameratauglich sein und lange Arbeitstage durchhalten, ohne zu knittern oder einzuengen. (apa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Verkaufsmesse "Bread&Butter"

Share if you care.